50 Jahre Feriendorf zum störrischen Esel

Mai 12, 2009 1 Comment »

Wie man so schön sagt, ist das Feriendorf zum störrischen Esel in die Jahre gekommen und man stellt rückblickend zunächst einmal fest, dass die Zeit so rasch vergeht. Und doch geschieht in 50 Jahren, wenn man das Weltgeschehen ansieht, unglaublich viel! Gewiss, die Entwicklung eines Feriendorfes mit dem merkwürdigen Namen eines lieblich-störrischen Esels im Wappen, zählt natürlich nicht zu den historischen Ereignissen. Bleiben wir also auf dem Boden der Realität. Ein Rückblick sei uns jedoch zu diesem runden Geburtstag erlaubt.

Schon vor Tausenden von Jahren setzten Menschen auf der Suche nach einer Lebensgrundlage den Fuss auf die Insel Korsika. Sie hinterließen Spuren ihrer Kultur, und wir stehend staunend vor den verbliebenen Zeugen, den Menhiren und Dolmen. Heute treibt uns die Sehnsucht nach Unberührtheit und Schönheit und die Suche nach einem verbliebenen Naturparadies in ferne Länder und staunen, dass nicht allzu weit weg von zu Hause, mitten im Meer, noch so ein Kleinod zu finden ist, nämlich unser geliebte Insel Korsika.

Es war mein Kollege Helmo von Doderer, der mit seinem alten Fahrrad bis nach Genua strampelte und dort von einer heimlichen Sehnsucht gepackt wurde, als er die Schiffe sah, die in Richtung Korsika ausliefen. Seine Kollegen meinten zwar, dass diese ferne Insel völlig uninteressant wäre, denn dort gäbe es nur Disteln und Schlangen.

1955 brach er erstmals auf mit ein paar Alpenvereinskollegen von der Insel Elba kommend den Monte Cinto zu besteigen. Fasziniert von der Schönheit dieser Insel organisierte er 1959 eine Alpenvereinsfahrt des Bezirkes Dornbirn nach Korsika, um die höchsten Berge zu besteigen. Gross war von Beginn weg die Begeisterung der Bergsteiger, sodass in ihm schnell der Entschluss reifte, Turnusfahrten in den Ferienmonaten im Jahre 1960 auf die Insel Korsika zu organisieren. In den Alpenvereinsmitteilungen veröffentlichte er seine Reisepläne, die einen unerwartet grossen Zuspruch fanden. Die Idee war recht einfach: Man reist mit Bus und Schiff, wohnt in Zelten direkt am Meer und wird aus der eigenen Küche verpflegt. Die Highlights des Angebots waren Wandern, Bergsteigen, Baden im Meer und dies alles in einer fröhlichen Gemeinschaft von  Gleichgesinnten.

Die Busreise war beschwerlich, und die Schiffsüberfahrt von Nizza nach Calvi dauerte sechs Stunden und bekam nicht allen gut. Erstmals machen einige Reiseteilnehmer mit der sogenannten Seekrankheit Bekanntschaft. Das Zeltdach über dem Kopf hatte bei Sturm und Regen auch so seine Tücken. Die Küche war ausgezeichnet und die Gäste durften beim Kartoffelschälen und Abwaschen fleissig mithelfen. Der Wind fegte feinen Sand durch den „Pinede“, der sich wie Pfeffer auf dem Suppentopf niederlegte. Aber das Bergerlebnis, die warmen Sommertage, das Baden im Meer und das gute Klima, die fröhliche Gemeinschaft von Gleichgesinnten bescherten allen unvergessliche Urlaubsfreuden. (Natürlich hat auch der „vino corso“ zur Stimmung beigetragen).Und die Erzählungen der Gäste über ihr „Korsikaabenteuer“ im Freundeskreis und in den Vereinen machten es möglich, in den folgenden Jahren das Feriendorf fortzuführen.

Wilhelm von Doderer konnte auf eine besondere Art begeistern, Kurt Müller war bestrebt die Bedürfnisse der Reiseteilnehmer zu befriedigen und Ernst Rhomberg war bemüht als Mitgestalter und Transportfachmann sein Bestes zu geben. Viele Idealisten aus dem engsten Bekanntenkreis und aus den Alpenvereinen waren als „Lagerleiter“ oder als „Hilfskräfte“ tätig. Eine grosse Begeisterung war der starke Motor und der Einfallsreichtum, wie man den Aufenthalt für die Gäste noch angenehmer und schöner gestalten konnte, fand keine Grenzen.

Nicht vergessen darf man die vielen Freunde und Gönner vor Ort, die uns stets mit Rat und Tat zur Seite standen und immer wieder staunten, was denn die „Autrichiennes“ hier in Calvi so alles trieben. Manche meinten zwar die Österreicher singen den ganzen Tag und rennen bei grosser Hitze auf die Berge! Es war ein Dominique Cardi, Bauer und Sekretär des Bürgermeisters, ein Caesar Mariani als Autobusunternehmer, ein Toussaint Suzzoni als Transportunternehmer und viele andere. Schlussendlich haben sie alle auch etwas an uns verdient. Dies allein war es aber nicht, es war eine echte korsische Freundschaft, die uns verband und weiterhalf.

Und heute? Aus dem einstigen Zeltlager vor den Toren Calvis ist ein stattliches Feriendorf geworden. Auf dem 7 ha grossen Pachtgrund der Familie Orabona sind Einrichtungen geschaffen worden, die wir zwar nicht unbedingt zur Kategorie eines Viersternehotels zählen wollen. Da und dort sind auch heute noch Spuren aus früheren Zeiten. erkennbar. Wie uns die Gäste immer wieder bestätigen, macht gerade die „gehobene“ Einfachheit den Reiz unseres Feriendorfes aus. Besonders gelobt wird die familiäre Atmosphäre, die man seit Bestehen in unserem Feriendorf vorfindet.

In den 50 Jahren seines Bestehens haben viele Gäste, von Hamburg bis Bozen und von Zürich bis Wien, die Insel Korsika und das  „Feriendorf zum störrischen Esel“ kennen gelernt und für manche ist inzwischen Korsika so etwas wie eine zweite Heimat geworden.

Es ist an dieser Stelle angebracht, allen unseren vielen Stammgästen für ihre oft jahrelange Treue ein herzliches Dankeschön zu sagen.

Heute reist man nicht mehr mit Bus und Schiff, sondern mit dem Flugzeug, legt großen Wert auf gutes Essen und ein anständiges Bett, bucht nicht mehr in einer sogenannten Anmeldestelle sondern im Reisebüro Rhomberg in Dornbirn, wo die kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beginn weg um einen klaglosen Ablauf der Reise bemüht sind. Angekommen auf der Insel der Schönheit erwartet man neben einem problemfreien Aufenthalt ein reichhaltiges Ausflugsangebot, für das sich das Feriendorf von Beginn an einen besonderen Namen gemacht hat. Wir kennen uns bestens auf der Insel der Schönheit aus und stehen auch weiterhin allen, die die ganze Schönheit der Insel auch auf eigene Faust oder bei geführten Touren erleben wollen, mit Rat und Tat zur Seite.

Seit erstmals die Gäste im Zeltlager vor den Toren Calvis im Pinienwäldchen, direkt am Meer, ihre Ferientage verbracht haben sind 50 Jahre vergangen. Dankbar sind wir, hier sein zu dürfen und hoffen noch viele Jahre allen, die die wilde Schönheit der Insel aus Duft und Farbe bereits kennen oder noch kennen lernen wollen zurufen zu können: „Komm mit nach Korsika!“

Pace et Salute
Kurt Müller

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One Comment

  1. Walter1 15. Mai 2009 at 20:08 -

    Sehrgeehrter Herr Müller! Ein wunderbarer Bericht,der mehr als fünf Sterne verdient.Sie haben vielen Urlaubern einen wunderbaren Urlaub auf Korsika ermöglicht. Ich habe das erstemal 1966 in Calvi Kontakt zu den Urlaubern im störischen Esel gehabt,weil ich zu dieser Zeit in Calvi lebte. .Ich bin ein leidenschaftlicher Korsikaurlauber und reise jedesmal!! nicht mit dem Flugzeug an,sondern immer mit dem Schiff,wie vor über 40 Jahren.
    Wie hat Napoleon gesagt: „Diese Insel erkenne ich an ihrem Duft “

    Ich hoffe für Sie und auch für mich das das noch lange so bleibt.

    Auf die nächsten 50 Jahre!

    Salut Gruber walter

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