Eine Taufe in Griechenland

Oktober 29, 2009 No Comments »

Es ist schon etwas Besonderes, zu einer Taufe in Griechenland eingeladen zu werden, gilt das doch als eines der wichtigsten Feste für die Familie, Verwandte, Freunde und das ganze Dorf, (sofern die Taufe nicht gerade in Athen oder Thessaloniki statt findet). Wir hatten Glück, Maria und Spiros entschieden sich für eine kleine Kapelle vis-a-vis von Nidri, Lefkada.


Wermutstropfen blieb der Termin. 11. Oktober… Ende der Saison, kaum noch Flüge in diese recht ursprüngliche Gegend und sicher schon kühl und nicht mehr zum Baden. Egal, Grund der Reise war ja die Taufe und mehr als 3 Tage hatten wir (flug- und arbeitstechnisch bedingt) eh nicht. Aber wir hatten Glück, das Wetter war größtenteils ein Traum, die Strände leer und das Meer noch warm genug (und wenn ich das sage, dann hatte das Wasser sicher über 23 Grad).

Um 17h00 geplante Abfahrt des Seglers MS-Christina. Aber planmäßig existiert eh nicht im griechischen Vokabular. Die ersten Gäste (abgesehen natürlich von uns „Touristen“ aus dem sekundenpünktlichkeitsorientierten Ausland…) kamen erst um 17h15. Abfahrt war dann 17h30 (eh pünktlich). Der Pfarrer wird warten!? Unsinn, der kam so spät, dass wir fast ohne ihn los gefahren wären.

Stavros, der Star des Tages, nahm alles recht gelassen hin. Der ganze Rummel um seine Person kümmerte ihn (anfangs) nicht.

Fotosession vor der Kirche mit Maria, Spiros – den Eltern von Stavros, dessen „ältere“ Schwester Evelina und dem Gast aus Österreich.

Die Zeremonie einer Taufe in Griechenland ist ein einziges, irgendwie dennoch geordnetes Chaos. Übrigens „Chaos“ ist ein griechisches Wort und „Improvisation“ wohl auch. Der Pfarrer rast den Text in einer Geschwindigkeit runter, dass eine Spracherkennung für mich (und andere) ausgeschlossen war – aber ich solle froh sein über die Geschwindigkeit, sonst würde es 2 Stunden dauern. Für die vielen Kinder ist aber auch 1 Stunde Zeremonie anstrengend, aber das wissen wohl alle, drum dürfen die Kinder zwischen Taufbecken, Gästen und Pfarrer herum springen und machen den Vorplatz der kleinen Kirche unsicher. Wir waren auch alle mal Kinder, also machen es die Erwachsenen ähnlich, zwischendurch mal eine Zigarette draußen, ein kleiner Plausch im schattigen Garten mit Blick aufs Meer, gelegentlich einen Blick in die Kirche (nur nicht die Ölung oder die eigentliche Taufe verpassen)…

Dem kleinen Stavros wird die Aufmerksamkeit langsam aber doch etwas zu viel. Die Ölung seines ganzen Körpers findet er ja noch in Ordnung, aber dass ihn der Pfarrer dann sage und schreibe 3x mal im Taufbecken fast ertränkt (wenn ich nicht vorinformiert gewesen wäre – ich hätte dem armen Bub das Leben retten müssen…) hatte seine bisher gezeigte, unglaubliche Geduld ein jähes Ende. Stavros wird sicher einmal ein Caruso oder Pavarotti werden….. bei der Stimme.

Komisch, nach der Taufe ging das Borden der Jacht aber sehr zügig. Hatten wohl alle schon Hunger und Durst (die Sonne brannte mit einer unglaublichen Kraft auf uns und ich verfluchte meine Entscheidung, einen Anzug zu tragen – na wenigstens war ich so clever, auf die Krawatte zu verzichten).

Das Restaurant war sehr bunt und liebenswert dekoriert.

Auch die Gästeschar war bunt. Griechen vom Festland und aus Lefkas, Freunde aus Österreich, Holland und England, Geschäftspartner aus Tschechien… Ein interessantes Sprachengewirr! Die „Vorspeisen“ waren so lecker und umfangreich, dass es die Hauptspeise ja gar nicht mehr gebraucht hätte. Und der „griechische Wein“ (natürlich aus Lefkada) floss in Strömen. Es waren wunderschöne Tage, die Taufe ein großartiges Erlebnis und es verstärkte meine Liebe zu Lefkas, einer bezaubernden Insel mit ganz tollen und herzlichen Menschen.

Die ganz besonders stolze Uroma!

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