Renée Ciaférani: Hausdame mit großem Herz – ein Bericht aus dem Rundbrief 2014

März 24, 2015 No Comments »

ReneeCianferaniIm Alter von 50 Jahren ist Renée Cianférani von Phalsbourg (Elsass) nach Korsika gezogen. Seit 17 Jahren arbeitet sie jetzt im Feriendorf. Täglich sorgt sie zusammen mit ihrem Team für saubere und gepflegte Unterkünfte und Räumlichkeiten. Sie hat ein großes Herz und ist die Fröhlichkeit in Person. Doch ihr Schicksal meinte es nicht immer gut ihr großer Traum, als Krankenschwester zu arbeiten, musste sie früh aufgeben.

Renée, aufgrund der Wirtschaftskrise musstest du im Jahre 1998 deinen Heimatort verlassen. Arbeit gab es kaum. Herr Müller hat dich damals eingestellt. Hast du dich im Feriendorf von Anfang an wohlgefühlt – schnell neue Freundschaften geschlossen?

Ich bin im Feriendorf „angekommen“ und habe hier mit der Familie Müller eine zweite Familie für mich gefunden. Diese kollegiale, familiäre Atmosphäre und dieses Miteinander spürte ich. Ich fühlte mich gleich wohl.

Und was war dein schönstes Erlebnis hier?

Mein schönstes Erlebnis hatte ich im Juni dieses Jahres. Als mich Kurt und Grete Müller für 3 Tage mit in ihren Urlaub genommen haben. Wir fuhren in die kleine Ortschaft Porto, ins schöne Dörfchen Piana, übernachteten im Hotel Capo Rosso und machten eine Schifffahrt entlang der Felslandschaft der Calanche bis nach Scandola. Es war traumhaft.

Was hast du vor deiner „Korsika-Zeit“ gemacht?

Ich hatte eine schwere Zeit hinter mir. 1969 ist mein Vater gestorben und ich war erst 21 Jahre alt. Er hatte einen Hotelund Restaurantbetrieb und da ich das einzige Kind war, musste ich von heute auf morgen den Betrieb übernehmen und mein Studium abbrechen. Ich wollte unbedingt Krankenschwester werden. Dann heiratete ich und Jahre später folgte die Scheidung. Durch die Trennung musste ich alles verkaufen. Die Wirtschaftskrise begann, als ich 50 Jahre alt war und für die Arbeitgeber in meiner Umgebung war ich zu alt. Herr Müller hatte mir aber eine Arbeit gegeben.

Eine bewegte Zeit: Was würdest du im Nachhinein anders machen?

Nichts, ich würde alles genauso wieder tun! Und das Schönste was mir geblieben ist, ist mein Sohn Serge.

Du bist die Hausdame (Gouvernante) und Leiterin der Wäscherei. Was sind eure Aufgaben und Tätigkeiten ganz genau?

Die Pflege und Reinigung aller Unterkünfte und öffentlichen Räumlichkeiten wie zB. die Spelunca, die Bergerie, die Toiletten und vieles mehr. Ebenso das Wechseln der Bettwäsche, der Handund Badetücher in den Unterkünften.

Für 97 Prozent der Gäste ist Sauberkeit der wichtigste  Faktor  bei  der  Auswahl  eines Hotels. Wie wird dein Team diesen Gästeansprüchen gerecht?

Auf saubere und gepflegte Unterkünft e und Räumlichkeiten legen wir größten Wert. Jeden Tag geben wir unser Bestes, damit sich unsere Gäste wohlfühlen. Während der gesamten Saison über pflegen und reinigen wir die Räumlichkeiten. Reinigungsstandards und entsprechende Trainings unserer Reinigungsfachkräfte sorgen für Qualitäts-Dienstleistung. Durch eine genaue Einschulung und ständige Kontrollen stellen  wir  den  hohen  Reinigungs-Standard sicher.

Und worin liegen die größten Herausforderungen für euch?

Am Samstag und Sonntag reisen alle unsere Gäste ab und an. Innerhalb dieser beiden Tage müssen wir die Unterkünfte reinigen und den Wäschewechsel  machen.  Hinzu  kommt  die Hitze, mal Regen, mal Wind.

Wie pflegt ihr echte Gast-Freundschaft?

Durch unseren herzlichen Service, durch Höflichkeit und unserem charmanten Lächeln ☺. Und natürlich durch saubere und gepflegte Räumlichkeiten.

Wie  trägt  dein  Team  zur  Erhaltung  der Umwelt und Nachhaltigkeit bei?

Der aufmerksame und sparsame Umgang mit Reinigungsmitteln und Energie ist uns zur Erhaltung unserer Umwelt ein Muss. Auch die Mülltrennung ist uns wichtig. Ich versuche auch mehr „Bio-Produkte“ einzubauen. Gerne nehme ich ein Produkt aus Lavendel, das riecht gut und tötet auch die Ameisen ☺

Aus wie vielen MitarbeiterInnen besteht dein Team und woher kommen sie?

Mein Team besteht aus 7 Vollund 2 Halbzeitkräften. Die jüngste ist 23, die älteste 50. Ich bin 67 ☺ . Sie kommen aus Frankreich, Tahiti, Marokko, Portugal, Rumänien und Porto Rico.

Wie gehst du mit Stress und Hektik um? Wie ist deine Art, einfach mal abzuschalten?

Ich schreie einfach! ☺ Nein, natürlich nur Spaß! Richtig abschalten kann ich, wenn ich mit meinen Freunden gut „französisch“ essen gehe.

Bald ist die Saison 2014 zu Ende, was machst du dann?

Im November gehe ich ins Elsass zurück und im März komme ich (nochmals kurz) wieder. 8 Monate im Jahr lebte ich immer auf Korsika und die restlichen 4 Monate im Elsass. Das war seit Beginn an so. Ich bin die Erste die kommt, und die Letzte die geht.

Und dann?

Gehe ich in Rente.

Freust du dich darauf?

Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich bin ein sehr aktiver Mensch, arbeite viel. In meiner Rente werde ich wieder in Phalsbourg wohnen. Bekannt bin ich dort, aber Freunde habe ich in Phalsbourg keine mehr. Das muss ich mir wieder aufbauen. Ich möchte mir dann eine Beschäftigung suchen, was Gutes tun: Hunde oder Katzen pflegen, oder beim Roten Kreuz mithelfen. Nur daheim sitzen, das geht gar nicht (lacht).

Wie verbringst du deine freie Zeit?

Ich lese sehr viel. Höre gerne Musik und gehe gerne einkaufen. Ich bin ein Shopping-Girl ☺

Welche Träume hast du noch?

Ich habe zwei Träume: Einmal möchte ich nach Vietnam und die Inseln und Felsen in der  Halong  Bucht  (Weltnaturerbe)  sehen. Mein zweiter Traum ist eine 3-wöchige Fahrt mit  einem Cargo-Schiff von Tahiti nach Iles Marquises.

Ich wünsche viel Glück und Bonne chance et longue vie im Esel.

Herzlichen Dank für das nette Gespräch.

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