Das Feriendorf Zum Störrischen Esel unter die Lupe genommen – Touristischer Qualitätscheck 2014

Dezember 10, 2014 No Comments »

BirgitReutz„Ich sehe Sie so viele Notizen in Ihr Buch schreiben und Fotos machen – warum tun Sie das?“, fragten mich manche Gäste im Feriendorf Zum Störrischen Esel in Korsika. „Die Hochschule, an der ich arbeite, wurde beauftragt, das Feriendorf und seine Programme „Feriendorf erleben“ und „Korsika erleben“ einem touristischen Qualitätscheck zu unterziehen und die Möglichkeiten zu prüfen, wie sich der Störrische Esel als Zieldestination für Gäste entwickeln kann, die Wert auf nachhaltiges Reisen legen. Und zB auch gerade deswegen kommen, weil die Bungalows nicht alle mit W-Lan ausgestattet sind“ – so oder so ähnlich antwortete ich dann während meines einwöchigen Aufenthalts im Juli 2014 in Calvi als nicht ganz gewöhnlicher Urlaubsgast. Meine Arbeit stieß auf durchwegs großes Interesse bei den Gästen und nicht wenige kamen mit eigenen Ideen zu mir. Warum ich diese Arbeiten für das Feriendorf Zum Störrischen Esel durchführen durfte, wie so ein touristischer Check abläuft und was sich dadurch an Änderungen im Feriendorf ergeben könnten, lesen Sie am besten im nachfolgenden Bericht.

Trend zu nachhaltigen Reisen

Das Wort „Nachhaltigkeit“ mag ich nicht so besonders gerne, da es zu oft und of t falsch verwendet wird. Dennoch reagiert auch die Tourismusbranche auf den Trend, dass immer mehr Gäste bei ihrer Urlaubswahl Wert auf Umwelt und soziale Fairness legen, und versucht immer häufiger in den Betrieben und Angeboten Ökonomie, Ökologie und Soziales als Pfeiler der Nachhaltigkeit umzusetzen. Diese Werte werden bei vielen Kunden als Zusatznutzen und für den Kaufentscheid eines Urlaubsangebots zusehends wichtiger. Dem naturund kulturnahen Tourismus wird ein enormes Wachstum in den nächsten zwei Jahrzehnten prognostiziert.

Das Feriendorf Zum Störrischen Esel und seine Positionierung

Die Geschäftsführung hat erkannt, dass soziales, ökologisch verträgliches Verhalten und Gesundheit sowie eine zeitgemässe Qualität für den Gast zunehmend wichtiger werden und mich, Dr. Birgit Reutz – Dozentin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften / Forschungsgruppe Tourismus und Nachhaltige Entwicklung, mit der Durchführung eines touristischen Checks beauftragt.

Wie läuft so ein Check ab?

Zuerst wurde ein Abbild der momentanen Situation erstellt. Im Anschluss wurde zusammen mit der Geschäftsführung eine Zielgruppensowie  eine  Stärken-/Schwächenanalyse durchgeführt. In einem dritten Schritt wurden dann vor Ort entlang der ganzen Servicekette Informieren/Buchen, Anreisen/Ankommen, Essen/Trinken,   Wohnen/Schlafen,   Natur-/ Kulturraum, Aktivitäten/Sport, Unterhaltung/ Kultur,  Erinnern/Bestätigung  finden  –  der Qualitätscheck durchgeführt sowie viele Fotos, Beobachtungen und Notizen gemacht. Besonderes Augenmerk wurden auf die ökologischen, sozialen und ökonomischen Gesichtspunkte gelegt und in welcher Form diese kommuniziert werden.

Unter die Lupe genommen wurde die touristische Infrastruktur wie Bungalows, Wohnzelte, Wäscherei, Pool und vieles mehr.  Ausserdem schaute  ich  mir  die  Angebote  „Ferien dorf erleben“  an:  Sport und  Fitness,  Massage, Zirkuswerkstatt, Kinderprogramme in der Villa Kunterbunt sowie die Unterhaltungsprogramme am Abend. Bei „Korsika erleben“ durfte ich ebenfalls als „Gast“ mit dabei sein und suchte mir dafür drei Angebote aus, die für verschiedene Gästegruppen geeignet schienen: das Fangotrekking, die Wanderung zu den Ruinen von Occi mit Marktbesuch und eine Bustour in die Dörfer der Balagne. Bei allem, was ich im Rahmen meines Checks überprüfte, stellte ich mir die Frage, ob die Erwartungen der Zielgruppe erfüllt werden und wie die Positionierung des Feriendorfs in Richtung eines naturund kulturnahen Tourismus geschärft werden könnte. Ich bin der Meinung, dass vieles mit relativ wenig Aufwand und vor allem Schritt für Schritt ausprobiert und umgesetzt werden könnte.

Hier einige Vorschläge:

  • Es ist nicht das Ziel, alle Bungalows im Störrischen Esel mit Klimaanlagen auszustatten. Um jedoch das Schlafen angenehmer zu machen, wäre es eine sinnvolle Investition, alle Bungalows mit Moskitogittern auszustatten und eventuell auch Ventilatoren anzubieten für die ganz heißen Nächte.
  • War Ihnen bewusst, dass es am Buffet auch täglich Biobrot gegeben hat? Oder dass viele der angebotenen Marmeladen hausgemacht sind?  Wenn  dies  angeschrieben  gewesen wäre, hätte ich mich bewusst für dieses Brot entschieden und das auch als Lob im Gästebuch vermerkt.
  • Wussten Sie, dass die korsischen Öle, die von Thomas bei der Massage verwendet werden, ganz in der Nähe in Lumio hergestellt werden? Ich habe diesen Biobetrieb besucht und mir gedacht, dass man eine Wanderung in der korsischen Macchia und ihren Gerüchen sehr gut mit dem Besuch dieses Betriebs kombinieren könnte und dadurch auch noch Wertschöpfung in der Region selbst erzielen könnte. Und um dieses Angebot abzurunden wäre noch eine Massage inkludiert, sozusagen eine Kombination von „Korsika erleben“ und „Feriendorf erleben“.BirgitReutz1
  • Ausflugsangebote für Familien mit (kleineren) Kindern, bei denen auch die Kinder auf den Geschmack kommen, sind kaum vorhanden – auch hier könnte man neue Angebote schaffen, um die Gäste der Zukunft mit den Naturund Kulturbesonderheiten von Korsika vertraut zu machen.
  • Oder spezielle Angebote im Frühling, wenn die Zistrosen und die Immortelle blühen und jedem botanisch Interessierten das Herz höher schlägt, kombiniert mit passenden kulinarischen Angeboten mit einem speziellen Fokus auf die korsischen Produkte.

BirgitReutz2Dies ist nur eine kleine Auswahl einer Fülle an Ideen, wie sich das Feriendorf stärker als naturund kulturnahes Reiseziel etablieren könnte.

Ich möchte allen Mitarbeitern, denen ich im Feriendorf begegnet bin, ein großes Kompliment für ihre Arbeit aussprechen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühen sich mit vollem Einsatz, die Ferien für die Gäste wirklich zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Damit dies auch weiterhin so bleibt und die Gäste gerne in den Störrischen Esel wiederkommen oder neue Gäste ihren Urlaub im Feriendorf buchen, braucht es eine stetige Weiterentwicklung. Wenn auch Sie Ideen  haben, wie der Störrische Esel zu einem Reiseziel werden kann, bei dem ökologische, ökonomische und soziale Werte noch stärker berücksichtigt werden, lassen Sie es mich birgit.reutz@zhaw. ch oder die Geschäftsführung des Störrischen Esels wissen.

Dr. Birgit Reutz
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

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