Von Korsika nach Phalsbourg – ein Bericht aus dem Rundbrief 2013

Februar 10, 2014 No Comments »

Oft fragen mich Gäste „Renée, wie kommt es, dass Du nach Korsika zum Arbeiten gekommen bist?“.  Ich antworte Ihnen, dass ich von korsischer Herkunft bin und da mir zu meinem 65. Geburtstag eine Cousine ein Buch geschenkt hat mit dem Titel „Das Erbe von Bachiolo“, geschrieben von zwei Brüdern namens Jean und Claude Cianférani, habe ich einen Teil meiner Geschichte kennengelernt.

Mein Vorfahr Giacomo Berger, Sohn von Bachiolo Cianfarani aus Guincheto, musste aufgrund einer Auslosung 1893 zur Armee des Kaiserreichs ins 10. Regiment der leichten Infanterie. Nach Stationen in Marseille, Avignon und Perpignan wird er nach Phalsbourg versetzt, einer von Vauban befestigten Stadt, mit zwei Pforten zu ihrem Schutz, derjenigen zu Frankreich und derjenigen zu Deutschland. Von da an wird Giacomo zu Jacques, da die korsischen Vornamen „französiert“ werden mussten. Während seiner Wache an der Pforte zu Deutschland sieht Jacques die schöne Lothringerin Catherine Mouzard vorbeigehen. Sie arbeitet als Hausdame in einer jüdischen Familie und da sie im „Bois de chênes du bas “ wohnt, kommt sie oft bei Jacques an der Pforte vorbei.

Nachdem er ihr den Hof gemacht hat, bittet er schließlich um ihre Hand. Sein Regiment wird daraufhin nach Strasbourg verlegt, wo am 24.02.1829 die Hochzeits-Zeremonie stattfindet und es dabei zu einem Zwischenfall kommt. Bei der Verlesung des Trauscheins fragt der Bürgermeister: „Jacques Cianférani, wollen Sie Marie Catherine Mouzard zur Frau nehmen?“. Mein heldenhafter Vorfahr reagiert daraufhin „Ich heiße nicht Cianférani, sondern Cianfarani.“ Doch da das Dokument bereits geschrieben war, kein Beamter zur Stelle war und Jacques nicht länger warten wollte, seine Schöne zu heiraten, nimmt er seinen neuen Nachnamen an. So bin ich eine Cianférani geworden.

Im Alter von 50 Jahren war ich dann gezwungen, Arbeit zu suchen, und zwar aufgrund eines – wie wir Franzosen es nennen – „accident de la vie“. Die Wirtschaftskrise begann gerade schon und für die Arbeitgeber in meiner Umgebung war ich zu alt. So blätterte ich an einem sehr kalten Sonntag im Januar durch die Seiten der „Dernières Nouvelles d‘Alsace“ und stieß auf eine sehr verlockende Anzeige, die da lautete „Wenn Sie die Sonne, das Meer und eine gute Arbeitsatmosphäre mögen, rufen Sie uns an unter der Telefonnummer …“. Also fasste ich mir ein Herz und rief die Nummer an. Ich hörte die tiefe Stimme von Kurt Müller und nach wenigen Minuten war ein Gespräch in Calvi auf Korsika beschlossen.

Am Flughafen auf Korsika hat mich Kurt Müller höchstpersönlich abgeholt. Dann, im Feriendorf angekommen, hat man mich in ein Büro gebeten, wo ein junger Mann saß, der Französisch mit stark deutschem Akzent sprach. Mein Eindruck war sehr gut und ich glaube, einen ebensolchen dort hinterlassen zu haben. So kam es, dass dann mein Arbeitsbeginn auch schon zwei Wochen darauf war. Die alleinige Bedingung, die ich stellte, war meinen kleinen Hund Maicky mitnehmen zu dürfen – das Einzige, was mir aus meinem Leben in Phalsbourg blieb. So bin ich also nun in Calvi, wo ich seit nunmehr 16 Jahren arbeite. Aber ich arbeite nicht nur. Ich habe hier in der Familie Müller, die mehrere Generationen vereint, eine zweite Familie für mich gefunden. Auch mit der Familie Ofenhitzer habe ich eine gute Freundschaft geschlossen, mit manchen Gästen eine Freundschaft, die über die Grenzen hinausgeht und mit meinen Kolleginnen und Kollegen eine Freundschaft, die bestimmt lange andauern wird, dessen bin ich mir sicher, obwohl ich nach meiner Pensionierung wieder in Phalsbourg wohnen werde.

Herzlichen Dank an alle Personen und an mein Team, die mich unterstützen und so gut aufgenommen haben.

Renée Cianferani

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