Yann Bartos – ein Bericht aus dem Rundbrief 2014

März 2, 2015 No Comments »

KORSIKA_YannBartosFast jeden, der einen Fuß auf die französische Mittelmeerinsel setzt, befällt das Korsika-Virus. Die Symptome: Wehmut und schlimme Sehnsucht, sobald man wieder weg muss. Die Behandlung: wiederkommen! Alle paar Jahre reicht – normalerweise. Doch manche erwischt es richtig: Diese Menschen müssen zur Genesung auf der Insel bleiben, dort arbeiten und leben. Wir haben einen dieser Infizierten getroffen: Y A N N B A R T O S

Auf Korsika herrscht Helmpflicht. Zumindest für Radfahrer, die mit einem ausgebildeten Fahrradführer wie Yann Bartos unterwegs sind. Bartos, 35, arbeitet seit vier Jahren auf der Insel. „Weil Korsika ein Paradies für Outdoorfreaks ist. Hier hat man einfach so viele Möglichkeiten – man kann tauchen, schwimmen, surfen, segeln, raften, golfen, wandern, klettern, mountainbiken, reiten, skifahren . . .“ Eigentlich wollte Bartos Physiotherapeut werden. „Aber statt Sportler wiederherzustellen, mache ich sie jetzt kaputt“, sagt er und grinst. Doch heute gibt’s die leichte Tour: Von Calvi geht’s mit den Rädern im Kleinbus rauf auf den 1100 Meter hohen Col de Battaglia. „In einer Stunde werden wir den höchsten Pass der Balagne erreichen“, sagt der braungebrannte Sunnyboy auf Deutsch mit französischem Akzent. Während der Fahrt erzählt Bartos vom korsischen Olivenöl: „Kaum einer kennt es, aber es schmeckt fantastique.“

Er erzählt von der Fremdenlegion, die in Calvi mit Fallschirmfliegern stationiert ist, und von Pasquale Paoli, der 1755 für die Korsen die Unabhängigkeit erkämpfte und ihnen eine demokratische Verfassung mit Frauenwahlrecht gab – lange vor der Französischen Revolution. „Mir gefällt an den Korsen, dass Geld bei ihnen nicht so viel Recht hat, wie anderswo“, sagt Bartos. Was damit gemeint ist, sieht man an Geschichten wie dieser: Ein reicher Italiener wollte eine große Hotelanlage auf Korsika bauen. Als der Rohbau stand, hätten Nationalisten – so erzählt man sich – ihn in die Luft gesprengt. Puff! Peng! Diese militante Entschiedenheit einiger Korsen hat dazu geführt, dass bis heute kein Massentourismus entstanden ist. Die Bergstraße, auf der sich der Bus nach oben windet, ist nichts für schwache Nerven – eine Kurve folgt der nächsten, dann ein Schlagloch. Leitplanken? Fehlanzeige. Die Straße wird immer enger. Bartos erklärt, dass diese für zwei Fiat Pandas gemacht sei und prompt passiert es: Stillstand. Ein BMW versperrt die Straße. Busfahrer Jean-Louis gestikuliert. Es hilft nichts. Der Fahrer, ein Mann mit silbernem Haar und Sonnenbrille steigt aus, fuchtelt wild mit den Armen. Die Spannung steigt, es wird gehupt. Jean-Louis behält die Nerven, gibt Gas. Geschafft!

Nach gefühlten 500 Serpentinen ist der Pass erreicht. Die Mountainbikes werden abgeladen. Bartos gibt letzte Instruktionen zum richtigen Bremsen – denn von nun an geht’s bergab. Was für eine Fahrt: nach jeder Kurve ein neues Postkartenmotiv – mal zum schneebedeckten Monte Cinto, mal zum glitzernden Meer, mal ein schmuckes Kirchlein. Am liebsten würden man alle 200 Meter anhalten, um diese Ausblicke digital festzuhalten. Aber der Rausch der Geschwindigkeit ist zu verführerisch. Dauergrinsen! Oder liegt das an den Kräutern, die am Straßenrand wachsen? Der Duft, der in die Nase steigt, ist intensiv und betörend. Kein Wunder, dass viele Parfüm und Kosmetikhersteller auf Korsika die Ingredienzien für ihre Cremes und Düfte finden.

Radprofi Bartos ist in Hamburg geboren. Seine Mutter ist Französin, sein Vater Deutscher. 1989 ist er mit seiner Familie nach Frankreich umgezogen, seither war er nicht mehr in Deutschland. Warum auch? Auf Korsika findet er die idealen Trainingsbedingungen für seine Leidenschaft: den Cross-Triathlon. Der besteht aus einem Schwimm-Marathon im Meer, Downhill-Biking und einem Geländelauf. Es gibt eine aktive Szene auf der Insel.

Bartos hat neben seiner Tätigkeit als Fahrradguide noch Zeit, in einem Verein mit Korsen zu trainieren. Doch selbst für einen Festland-Franzosen ist es nicht leicht, sich mit den Einheimischen an zu freunden. „Es hat lange gedauert, bis ich Anschluss gefunden habe.“ Kein Wunder: Nach Jahrtausenden der Fremdherrschaft – etwa von Griechen, Römern, Genuesen, Vandalen, Byzantinern – darf man Besuchern gegenüber ruhig etwas skeptisch sein. Da ticken Korsen nicht anders als viele andere Insulaner. Bartos Traum ist es, nicht nur in der Saison, sondern dauerhaft auf Korsika zu leben, eine Familie zu gründen. Die Heirat mit einer Korsin wäre doch eine Möglichkeit? Bartos lacht, winkt ab: „Nein, die Frauen werden gut von ihren Brüdern bewacht.“ Daran hat sich seit „Asterix auf Korsika“ nichts geändert. Wen wundert’s, hat die Insel doch eine der schönsten Frauen Frankreichs hervorgebracht: das Top-Model Laetitia Casta, die auch die hübsche Falballa in der Asterix-Verfilmung mit Gérard Depardieu gespielt hat. Dabei hat Casta nur die Ferien im korsischen Heimatdorf ihres Vaters verbracht, ist aber trotzdem die zweitberühmteste Korsin.
Der Berühmteste ist Napoleon.

Auszug aus dem Artikel „Infiziert“ von Birgit Herrmann, der am 1. August 2014 in der Reise & Freizeit-Beilage der Badischen Zeitung, Freiburg, erschienen ist.

Unser ausgebildeter Mountainbiker:

Yann Bartos. Der 35-jährige Triathlet ist seit vielen Jahren auf Korsika unterwegs und führt vom Feriendorf aus Touren hinauf auf die höchsten Pässe. Für jeden Anspruch ist etwas dabei: ob für Genussradler oder Radsportprofis. Der fachkundige Begleiter und Leiter des Radverleihs kennt die schönsten Radstrecken in der Balagne und hat so manchen Geheimtipp für unsere Gäste entdeckt.

Seine Leidenschaft:

Cross-Triathlon (Schwimm-Marathon, Down-hill-Biking, Geländelauf)

Sein größter Erfolg:

Gewinner des Korsika Cross-Triathlons 2014.

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