Brief von Frau Zah-Serno – aus dem Rundbrief 2014

Dezember 12, 2014 No Comments »

Strand_Calvi_BadenLieber Herr Müller,

Das war eine riesige Überraschung, als ich in Winterthur im Landboten den Bericht über Korsika gelesen habe. Ich habe sofort mein Fotoalbum hervorgeholt und die vielen schönen Bilder wieder betrachtet. Vom 18. 8. – 6. 9. 1960 war ich in Calvi im Zeltlager. Ich wohnte damals noch in Deutschland, in Lörrach, und war noch ledig. Mit 33 Jahren waren es meine ersten richtigen Ferien. Nachts um 2 Uhr fuhr der Bus in Dornbirn ab. Am Maloja-Pass hatten wir Neuschnee und Regen. Nachher schien nur noch die Sonne. Von Nizza aus ging es in 7 Stunden mit dem Schiff nach Ile Rousse. Dann war es nicht mehr weit bis zum Zeltlager direkt hinter dem Sandstrand im Pinienhain. Hier erlebte ich 14 wundervolle Tage. Einmal ging es mit dem Schiff der Westküste entlang nach Porto. Ein andermal waren wir mit dem Bus 2Tage unterwegs. Es ging über St. Antonino, Ajaccio nach Propiano. Dort wurde in Zelten übernachtet. Am nächsten Tag ging es weiter bis zur Festung Bonifacio an der Südküste. Dann wollten wir über den Col de Bavella. Doch kurz vorher mussten wir umkehren, da der ganze Wald brannte. So fuhren wir über Corte und Ponte Leccia wieder nach Calvi. Auch zum Cap Corse und nach Bastia gab es einen Ausflug. Der Höhepunkt war dann der Monte Cinto. Im Lager am Brett war die 2-Tagestour ausgeschrieben, ohne Führer und auf eigene Gefahr, es wären aber überall Steinmännchen aufgebaut. Ein kleiner Bus brachte uns 14 nach Asco, dem Ausgangspunkt. Dann hiess es ,,Rucksäcke auf“ und los ging es. Da wir alle Schlafsäcke dabei hatten, waren die Säcke ganz schön schwer, sodass wir ins Schwitzen kamen trotz der grossen Lariccio- Kiefern, die uns am Anfang noch Schatten spendeten. In der Mittagshitze machten wir eine Pause in der Bergerie de Manica. Von hier aus erreichten wir in 2 Stunden unser Biwak Lager und suchten im steinigen Gelände einen Platz für die Schlafsäcke. Dann wurde Holz für ein Lagerfeuer gesammelt. Als es dunkler wurde sassen wir alle am Feuer und konnten, die Wärme schon wieder vertragen. Wir entdeckten sogar Mufflons auf einem Grat, die sich wunderbar gegen den Himmel abhoben. Als es ganz dunkel war und die ersten Sterne am Himmel erschienen, fingen wir an, ein Lied nach dem anderen zu singen. Wir kamen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, aber alle kannten dieselben Lieder. Am nächsten Morgen sind wir um 3 Uhr 30 losmarschiert. Es war noch stockdunkel. Mit Hilfe von Taschenlampen fanden wir auch zuerst die Steinmännchen. Aber bald war es damit vorbei. Nach kurzer Zeit waren alle in verschiedenen Richtungen zerstreut und suchten einen Weg. Ich war mit 3 Kameraden zusammen und als es heller wurde sahen wir, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Der Aufstieg war noch recht mühsam, vor allem, weil es ab 7 Uhr schon wieder so heiss war. Um 8 Uhr erreichten wir den Gipfel und wurden von 2 Korsen mit grossem Hallo empfangen. Sie gaben uns gleich zu trinken und von ihrem korsischen Speck zu essen. Nach gut einer Stunde erreichten dann noch zwei von unserer Mannschaft den Gipfel. Um 10 Uhr beschlossen wir abzusteigen, denn bis Asco war es noch ein langer Weg. Es war so eine Hitze, dass wir ohne Pause bis zu den ersten Bäumen gelaufen sind. Wir haben gut 6 Stunden gebraucht, bis wir wieder in Asco waren. Dort mussten wir noch 2 Stunden warten, bis alle wieder da waren und wir zu später Stunde nach Calvi fahren konnten. Trotz aller Anstrengungen war es eine herrliche Tour. Der Monte Cinto war mein erster Berg den ich bestiegen habe. Es sollte aber nicht mein Letzter sein. Während der 8 Jahre in Lörrach habe ich unzählige Berge bestiegen, auch 23 Viertausender. Meine erste Bergtour auf den Monte Cinto habe ich aber nie vergessen, ebenso nicht die herrlichen Ferien im Zeltlager. Unser Lager war wohl das letzte im Jahr 1960, denn ich erinnere mich, dass ich beim Verladen des Kochherdes geholfen habe. Damals musste am Jahresende vermutlich alles wieder nach Dornbirn gebracht werden.

Ich hoffe, dass ich Sie mit meinem Brief nicht gelangweilt habe, aber die alten Erinnerungen tauchten alle wieder auf.

Mit herzlichen Grüssen, auch an Ihre Frau,
Ihre Helga Zah-Serno, Schweizer-Gast

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