Geschichten, die das Leben schrieb – ein Bericht von Rosie Gunitzberger

Dezember 2, 2014 No Comments »

RosieGunitzberger

Pünktlich um 5:00 fuhr ich von einem kleinen Ort in der Nähe von Innbruck los. Ganz alleine, ohne Italien- oder Google-Maps Straßenkarte, nur mit meinem guten Freund, dem Navi . Gestern hat’s noch super funktioniert, aber heute Morgen nicht mehr!! „Ok“ dachte ich, „fahr ich halt ohne Navi, in Florenz rechts nach Livorno abbiegen, dann gerade aus bis ans Meer und rauf auf die Fähre. Das wäre ja gelacht, wenn ich dort nicht rechtzeitig ankomme.“ Die Fähre ging im 14:00.
Wer schon einmal in Florenz ohne jegliche Hilfsmittel an Karten war, weiß, dass es nicht so einfach ist, die richtige Ausfahrt Richtung Meer zu finden! Mit Müh und Not erreichte ich den Hafen kurz vor 14:00. Ich, als frischgebackene Reiseleiterin, mit einem Tag Verspätung im Feriendorf anzukommen, wäre dann schon recht peinlich gewesen!

In Bastia fuhr ich Überland – mit einer Korsika-Straßenkarte im Gepäck – nach Calvi. „Was riecht denn da so gut?“ dachte ich erstaunt. Doch dann fielen mir die Worte Napoleons ein: er erkenne Korsika alleine am Geruch!! Der intensive Duft der blühenden Macchia (immergrünes Buschwerk aus verschiedensten Pflanzen) war überwältigend an diesem Abend Ende April und begleitete mich bis nach Calvi. Angekommen im Feriendorf gegen 21.30 empfing mich der Herr Direktor persönlich, Michael Ofenhitzer, überaus freundlich und nett. Das war mein erster guter Eindruck vom Feriendorf!

In den darauffolgenden Wochen konnte ich meine theoretischen Kenntnisse in Sachen Reiseleitung und was ich mir über Korsika im Voraus aneignete in jeder Hinsicht umsetzen.

Eine Bereicherung sind für mich sowohl die vielen netten, dankbaren Gäste als auch die Gespräche mit den Korsen. Wenn ich durch die alten Dörfer abseits der Küste fahre, entdecke ich immer wieder Neues: Sei es die dritte Kapelle in einem kleinen Weiler oder der Wirt in der Dorfbar erzählt aus der bewegten Geschichte Korsikas. Dann kommt noch der Schäfer in die Bar, der dann auch noch über die Hirten und deren Leben berichtet. Auch unsere korsischen Buschauffeure wissen vieles, was nicht in den Büchern steht. Und wenn man höflich und freundlich ist, geben sie es sogar weiblichen Reiseleiterinnen preis.
All diese Informationen runden dann mein Bild über Land und Leute ab und tragen dazu bei, dass ich dieses stolze Inselvolk immer besser verstehe. Ich lerne also täglich von ihnen und gebe vieles an die Gäste weiter.

Lustige Geschichten machen auch unsere Arbeit zu unvergesslichen Erlebnissen: So führte mich eine meiner Bustouren (Tour de Maquis) in das Hochland der Hirten. Bevor wir in der Dorfbar von Cyprien in Casamaccioli einkehrten, sagte mir ein Gast, dass er vor rund 30 Jahren auch schon mit dem Feriendorf diesen Ausflug gemacht hätte: Damals meinte der Buschauffeur, er müsse jetzt zu seiner Mutter die Schmutzwäsche abliefern, die er nächste Woche dann gewaschen und gebügelt holen würde. Belustigt über diese Geschichte ging ich wie üblich in die Bar und erzählte das dem Wirt Cyprien. Neben ihm stand ein etwas älterer Herr, der äußerst interessiert zuhörte. Am Ende meiner Ausführung schmunzelte er und sagte: „der Chauffeur war ich!“
Gast und Ex-Chauffeur trafen kurz darauf zusammen und fielen sich vor Freude um den Hals!! Seit kurzem ist der Chauffeur in Pension. Er verbringt aber den Sommer in seinem Heimatort Casamaccioli und den Winter in Bastia. Er ist übrigens der Cousin von Cyprien.

Die Saison 2013 war meine erste im Feriendorf und da es mir so mir so gut gefallen hat, bin ich heuer wiedergekommen.

Eines sei an dieser Stelle noch erwähnt: Wo immer ich hinkomme oder mit den Gästen einkehre, sobald ich den Namen „Club Alpin Autrichien“ erwähne, sind die Einheimischen äußerst zuvorkommend und freundlich. Daraus schließe ich, dass das Feriendorf aber auch die Familie Müller bei den Korsen einen hervorragenden Ruf genießen.

Ihre
Rosie Gunitzberger, Reiseleiterin, August 2014

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