Hansjörg Klotz: Alpin-Klettern-Wander-Alpinski-Skihochtouren-Instruktor mit Leib und Seele

Oktober 12, 2011 No Comments »

Interviw mit Thomas Brandl

Seit 11 Jahren ist er mehrere Monate im Jahr auf Korsika. Ein Tourenführer mit Leib und Seele. Schon einige seiner Vorfahren haben den Beruf des Bergführers ausgeübt und nur durch die Unterstützung solcher einheimischen Bergführer war es den Bergsteigerpionieren möglich, höchste Alpengipfel, teilweise auch als Erste, zu erklimmen. Hansjörg liebt die Natur und die Berge. Kein Wunder ist er doch schon über 40 Jahre als ehrenamtlicher Naturwächter, AV-Funktionär und AV-Tourenführer im Einsatz. Mit seinem Humor, seiner guten Laune und seinem breiten Grinsen trägt er wesentlich zum „Guten Geist“ des Feriendorfs bei.

Hansjörg, 11 Jahre ist eine lange Zeit. Wie kannst du dich jedes Jahr immer wieder neu motivieren, nach Korsika zu gehen?
In Korsika fühle ich mich wie zuhause, hier habe ich über 120 (2.000er) Bergtouren, ein Gebirge im Meer. Viele Bergsportler lieben das Meer -> Bergsport, Meer, Wildnis < das bietet Korsika. Nicht umsonst habe ich auch viele Jahre den Bergsteigeraustausch  Alpenverein Österreich – Bergsteigerverein (Utivist) Island geleitet. Auch auf dieser kühlen Insel galt für uns „Meer, Berge, Wildnis“.

Was unterscheidet das Wandern in Österreich mit dem Wandern auf Korsika?
In erster Linie die Wettersicherheit. Durchschnittlich  muss ich in manchen Alpen-Sommermonaten einige Touren absagen oder zumindest das Ziel ändern. In Korsika ist eine Tourenzieländerung aus Wettergründen im Sommer eine Seltenheit, ein  Ausfall eher selten. Einer meiner Sprüche ist auch, es besteht immer eine Bademöglichkeit, ob im Wildwasser oder Salzwasser, Badekleidung also immer dabei.

Was ist so besonders an Korsika?
Es vereint die Vorteile der französischen und italienischen Lebensart. Immer wenn ich die 2011 neuausgezeichneten Wanderwege mit den alten korsischen Namen abwandere, freut es mich, dass die Korsen ihre Lebensart noch gerne pflegen und jetzt auch pflegen dürfen. Eine tolle Entwicklung, wenn ich da an Südtirol denke, wo die Italiener die uralten ladinischen- und deutschen AV-Gebietsbezeichnungen nicht anerkennen wollen und sogar von Regierungsseite mit Repressalien gedroht worden ist.

Für viele Gäste und Mitarbeiter im Feriendorf trägst du wesentlich zum „Guten Geist“ und der „besonderen Atmosphähre“ im Störrischen Esel bei. Wie machst du das?
Ich bin ähnlich wie ein Spiegel, ich werfe einfach die gute Laune unserer Gäste zurück. Die gute Laune hilft dann auch manchmal, vielleicht schlechter aufgelegten Kollegen und Gästen. Bei jeder Unterhaltung mit unseren Gästen erfahre ich immer viel über die Geschichte und Landschaft jener Gegenden, aus der unsere Gäste kommen. Ich erzähle dafür gerne aus der Alpingeschichte und über die korsischen Hirten. Die Jahrhunderte versuchen ihre Freiheit zu behalten und dies mit Entbehrungen, aber nicht mittels einer Sklavenmentalität bezahlt haben. Die immer schon freie und beliebte Wildschweinjagd ist für mich ein eindeutiges korsisches Indiz dafür. In unseren Landen durfte dies früher nur der Landesherr, der König, der Fürst.

Liegt es nicht auch an deiner „offenen Art“, auf Menschen zuzugehen?
Die gemeinschaftlichen Aktivitäten, die Gemeinschaftserlebnisse machen da sicher viel aus.

Das Feriendorf gibt es schon über 50 Jahre. Was ist so einzigartig daran?
Die Gäste vertreten manchmal die Meinung, kann man das Feriendorf nicht noch in anderen Gegenden gründen. Ich glaube nicht, hier lebt noch etwas der alte Alpenvereinsgeist, Geister kann man nicht einfach verpflanzen.

Haben sich die Ansprüche der Gäste/Wanderer im Urlaub deiner Meinung nach geändert?
Die Gäste sind fast nur noch an Tagesausflügen interessiert. Bei Partnerschaften bleibt gerne ein Partner mit den Kindern im Club, klar möchte man dann gemeinsam zum Abendbuffet. Aber auch Singles wollen das Essen im Club nicht zulange vermissen. Es sind natürlich auch die Zusatzkosten, bei Mehrtagestouren kommen mindestens zwei Busfahrten zusammen und ein Badetag ist verloren.

Welche Wanderung auf Korsika ist dein Favorit?
Monte Rotondo, Rundtour, im August
Monte Pateo-Rundtour im Frühjahr
Monte Cinto, Überschreitung im September

Man hört immer wieder, im Feriendorf entwickeln sich Freundschaften. Und aus Fremden werden schnell Freunde. Ist da was Wahres dran?
Das kann ich bestätigen, über den Winter werden diese Freundschaften gepflegt, neben dem üblichen Fotoaustausch, ist die Planung für den nächsten Korsikaurlaub ein wichtiger Gesprächspunkt.

Was würdest du im Feriendorf gerne verändern, wenn du die Möglichkeit hättest?
Ein eigener Bus für Kleingruppen wäre manchmal vielleicht von Vorteil.

Im Störrischen Esel kennt man dich immer gut gelaunt. Gibt es auch eine andere Seite?
Ich liebe es in Bewegung zu sein, Wandern, Klettern, Schwimmen, MTB-Fahren, aber auch Lesen, wenn mich dann mein PC- oder mein MTB im Stich lässt und die Reparatur Zeit kostet, kann mir schon der Humor vergehen.

Wenn du die Möglichkeit hättest, was würdest du gerne auf dieser Welt verändern?
Es ist sicher nicht die Bankenkrise oder das Europroblem, es ist das Umweltproblem. Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen.

Hast du schon Pläne für die Zukunft?
Das was mir immer schon Spaß gemacht hat, weitermachen. Zusätzlich an meinem Buch weiter schreiben. Früher war ich sportsüchtig, jetzt bin ich schreibsüchtig.

Was unterscheidet Erfolg für dich persönlich?
Wenn man sein Leben halbwegs im Griff hat und nicht Knecht seiner Wünsche und Ängste ist.

Danke für das Gespräch.

Zur Person: Hansjörg Klotz
Geboren: 07.09.1946
Familie: geschieden, 3 Kinder, 5 Enkel

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