1960 im Zeltlager zum Störrischen Esel

Februar 5, 2009 No Comments »

Nachdem ich 2 Jahre zuvor schon an Bezirksfahrt des Dornbirner Alpenvereines in die Pyrenäen mit Willi Doderer teilgenommen hatte, wollte ich unbedingt wieder dabei sein als 1960 ein Zeltlager auf Korsika ausgeschrieben wurde. Wer hätte damals gedacht, dass diese Einrichtung in veränderter Form 50 Jahre später immer noch bestehen würde. Wenn heute die Gäste mit dem Flugzeug anreisen und am selben Tag schon am Sandstrand baden können, so war die Anreise damals mit dem Bus schon allein ein kleines Abenteuer. Am ersten Tag ging es  on Dornbirn durch die Schweiz über den Julier- und Malojapass bis Ventimiglia an der italienische/französischen Grenze. Dort wurde übernachtet. Da man alles extra buchen konnte oder auch nicht, wollte ich als sparsamer Schüler diese Übernachtungskosten sparen, aber meine Mutter bestand darauf, in einem ordentlichen Bett zu übernachten. Gleich nach der Ankunft fanden einige Mitreisende und ich ein romantisches Tanzlokal direkt an der Steilküste zum Meer.

Dort war Betrieb bis in die Morgenstunden und wir kamen gerade zum Frühstück im Hotel zurecht. So ärgerte ich mich, den Übernachtungspreis ausgegeben zu haben und beschloss, diesen auf der Rückreise zu sparen, was ich aber dann noch bitter bereuen sollte. Die Fahrt ging dann weiter nach Nizza und mit dem Schiff nach Calvi, wo wir am frühen Nachmittag im Zeltlager ankamen. Ich hatte mein eigenes Zelt dabei und machte mich gleich an den Aufbau unter einer schattigen Pinie.  Wenn ich mich richtig erinnere, bestand das Zeltlager außer der Waschgelegenheit nur aus Zelten. Auch die Küche und das Vorratslager bestanden aus einem bzw. mehreren Zelten.

Das Zeltlager war nur durch die Eisenbahnlinie vom Meer getrennt und der erste Zug am Morgen war ein verlässlicher Wecker aber länger hätte man so und so nicht schlafen können, denn dann hätte die Sonnenwärme das Wecken übernommen. Bald wurde uns Jüngeren das Baden am flachen Sandstand zu langweilig und so zogen wir jeden Morgen auf die Steilküste auf der anderen Seite der Stadt, wo mit Schnorchel und Taucherbrille nach Seeigeln und Seesternen gesucht wurde.

Auch an eine Bustour durch die Insel erinnere ich mich noch gut. Der Busfahrer hatte die Angewohnheit, bergab bis zum Anschlag des Gashebels zu beschleunigen und dann den Gang herauszunehmen. Wie befreit wurde der Bus dann noch ein Stück schneller. Verlor der Bus dann am Gegenhang langsam an Geschwindigkeit, legte der den Gang wieder ein, was der Bus jedes Mal mit einem Aufheulen quittierte. Diese Fahrweise bekam nicht allen Fahrgästen gut.

Ich weiß nicht, wer den Namen zum Störrischen Esel erfunden hat, aber vielleicht war der Namenspatron jener Esel, der mit seinem Besitzer jeden Morgen ins Lager kam und von den Gästen mit dem schnell hart gewordenen französischen Weißbrot gefüttert wurde.

Wie immer verging die schöne Zeit viel zu schnell und die Rückreise nahte. Diesmal ging die Busreise von Nizza  über den Col die Tenda, Turin und Mailand nach Hause. Übernachtet wurde in Mailand. Im Gegensatz zu Ventimiglia war der Übernachtungsplatz alles andere als romantisch. Das Hotel lag in einer stark befahrenen Hauptstrasse. Da ich der einzige ohne Zimmerbuchung war, hatte der Busfahrer Mitleid mit mir, und ließ mich im Bus übernachten. Infolge des die ganze Nacht vorbeibrausenden Verkehrs war aber an Schlafen nicht zu denken.

Die Teilnehmer am jährlichen Ferienlager fühlten sich bald wie verschworene Gemeinschaft und zum Austausch der Erinnerungen gab es in Dornbirn in den Folgejahren einige Zeit lang regelmäßig den Faschingsball der Korsikaner.

Aberer Bernd

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