Als Gäste noch Küchendienst machten

Februar 16, 2009 No Comments »

Vor 42 Jahren, im September 1967, zog es mich das erste Mal ins Feriendorf zum Störrischen Esel, und ich bin ihm mit über 30 Ferienaufenthalten so treu geblieben, wie es der Lebenslauf zuließ. Schleppte Freundinnen, Familienmitglieder, Freunde, Affären mit und begeisterte sie für die Insel. Hautnah erlebte ich den langsamen Wandel vom bescheidenen „Lager“ zum komfortablen, zeitgemäßen Klubdorf mit. In 42 Jahren sammeln sich viele Geschichten in der Erinnerung an – hier eine kleine Auswahl.

Zum Beispiel war es vor diesen 42 Jahren noch für jeden Feriendorfgast Pflicht, in der Küche mitzuhelfen. Schließlich waren wir meistenteils Bergkameraden! Es gab einen Wochenarbeitsplan mit etwa zwei Abwasch- und Küchendiensten, der Plan war diszipliniert einzuhalten, sonst wurde Bürochef Roland Saur schon mal sauer. Da saßen wir singend im Hof des – heute „oberen“ – Restaurants und schälten Kartoffeln, putzten Gemüse, spülten Geschirr und hatten viel Spaß zusammen. Es war eben noch mehr Alpenvereinslager als Feriendorf.

Generalstreik 1968 – Umweg über Elba
Im Jahr des französischen Generalstreiks 1968 fuhr ich mit meiner Cousine im Mai nach Calvi, eine Woche vorher wurde in Frankreich alles lahmgelegt – keine Grenzabfertigung, keine Fähren, keine Post, das öffentliche Leben war erstarrt. Busfahrer Edmund Geiger disponierte kurzerhand um: fuhr von Mailand geradewegs weiter Richtung Süden über Rapallo mit Mitternachtsaufenthalt und Pisa – morgens um 6 Uhr am Rasen vor dem Schiefen Turm, das vergesse ich nie im Leben! – nach Livorno. Dort Nachtfähre nach Bastia mit Zwischenhalt morgens um 5 Uhr in Portoferraio auf Elba. Ich weiß noch, ein fescher junger Steward nannte mich, wohl eingedenk des Katastrophenschiffs Andrea Doria, „Doria“ und flehte mich inständig um einen Flirt an, aber mir war das bis dato unbekannte italienische Temperament doch etwas zu stürmisch. In Bastia wartete ein Mariani-Bus: Mariani streikte nicht, und so konnten auch die Ausflüge stattfinden. Irgendwie hatten die Korsen genug zu Essen und ausreichend Benzin auf der Insel, wahrscheinlich via Italien – es kümmerte uns nicht, auch nicht, dass es keine Post und keine Zeitungen gab.

Menhire als Schlafgenossen
Unvergesslich ist eine dreitägige Busrundfahrt mit meiner Schwester durch Korsika mit Zeltübernachtung. Chauffeur Etienne verlud mit Chef Mariani persönlich die Schaumgummimatratzen am Busdach – „à quoi servent ces machins là?“, hatte er verwundert gefragt, keine Ahnung von Zelt-Schlaf-Komfort! Es war abenteuerlich – nicht nur die kurvenreiche Fahrt, bei der man schon starke Magennerven haben musste, sondern auch die Übernachtungen: einmal in der Nähe von Porto Vecchio an einem Fluss, wo wir in den Gumpen badeten und abends Würstchen aus großen Konservendosen und Kartoffelpüree aus der Bordküche mampften – ein königliches Gericht! In der zweiten Nacht leisteten wir mit unseren Zelten den Menhiren von Filitosa Gesellschaft – noch heute läuft es mir kalt den Rücken, wenn ich an diese Nacht im prähistorischen Garten zurückdenke, die ewigen steinernen Gestalten im Blickfeld und den Mythos von Filitosa unter der Haut. Ich habe nicht wirklich gut geschlafen und auch nie wieder in einem Freilichtmuseum übernachtet .

Laufschule Sandstrand
Mein Sohn lernte im Alter von etwa einem Jahr in Calvi am Strand das Laufen – Hinfallen im Sand schmerzte ja nicht, der weiche Sand förderte die Balance. Ein Handtuch weiter saß eine junge Frau mit einem zweijährigen Buben, wir kamen durch unsere Söhne ins Gespräch. Überflüssig zu sagen, dass wir immer noch enge Freundinnen sind, obwohl Astrid bei Köln lebt. Wir machen noch 26 Jahre, nachdem wir uns kennengelernt hatten, gemeinsame Reisen – u. a. auch dank Rhomberg-Reisen nach Madeira – und tratschen wöchentlich am Telefon.

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