Auch Drahtesel können störrisch sein

Dezember 19, 2008 No Comments »

Mein Urlaubstagebuch 5.10. – 12.10.2008
Wir wollten ganz einfach den Sommer etwas verlängern, ein bisschen Rad fahren, ein bisschen wandern, lesen, schwimmen und vor allem ausgiebig faulenzen. Stattdessen wurde es ein Aktivurlaub der Sonderklasse.
Schon der Start ist abenteuerlich – fast direkt von Walters 50-er Feier um 2 Uhr nachts ins Auto und ab nach Salzburg. In Korsika ist es bitter kalt – übernachtig wirkt die Kälte doppelt – gerade recht für einen Spaziergang nach Calvi und erste Erkundungen im und um den störrischen Esel. Für den nächsten Tag wird dann gleich eine Mountainbiketour bei Stefan gebucht. Die Kälte vom Vortag noch in den Beinen, wird der Rucksack mit warmer Kleidung vollgepackt – alles umsonst, für den Rest der Woche ist es untertags sommerlich warm, das ideale Radwetter – dicke Pullover und Hosen bleiben von nun an im Koffer.
Stefan führt uns zur Madonna, auf dem Heimweg gibt es noch einen Kaffee in der Italienerbucht – Genussradln pur, so stelle ich mir Urlaub vor! Wir sind eine kleine aber feine Gruppe, die sich hier zufällig getroffen hat und gemeinsam einen perfekten Urlaub erleben darf. Stefan bringt uns gegen Mittag sicher wieder ins Dorf zurück – am Nachmittag treibt es uns aber wieder hinaus – es gilt die Insel zu erkunden. Wir radeln zum Foret de Bonifatu.
Elisabeth hat sich für den nächsten Tag das Fangutal vorgenommen, unsere neu gewonnenen Memminger Freunde schließen sich uns an. Eine angenehme, nicht gar zu lange Rundtour, bei der auch noch Zeit bleibt, zwischendurch zu baden. Auf der Rückfahrt machen wir an einer traumhaften Bucht halt. Die ganze, riesige Bucht für uns allein. Das Meer tiefblau, ideal zum Schwimmen, der Strand voll mit wunderschönen Steinen, die Berge zum Greifen nah, Farben, die es nur im Herbst gibt – spätestens jetzt habe ich mich in Korsika verliebt.
Auf dem Heimweg gönnen wir uns im Hafen von Calvi noch ein Bier … oder waren es doch zwei?
Für Mittwoch haben wir eine Wanderung mit Julia gebucht. Wir lernen den klebrigen Alant, die Immortelle, die Bougainvillea und viele andere Pflanzen kennen. Wir schnuppern, wir riechen, wir schauen und hoffen, die Eindrücke möglichst lange in Erinnerung zu behalten.
Donnerstags geht’s wieder mit Stefan auf eine geführte Radtour. Die Dörferrunde steht auf dem Programm. Stefan, der perfekte Radguide, findet das geeignete Tempo, zeigt uns die schönsten Plätze, die schönsten Kirchen und das gemütlichste Kaffee. Nach dem Essen wird ausgiebig geschwommen. Vergeblich suchen wir eine Markierung an den Bojen, die die Kaliwodas schon im Juli für uns hinterlegt hatten.
Nachmittags müssen wir unbedingt noch einmal zur Italienerbucht und an die Westküste, so viele Fotos sind noch zu machen.
Freitag ist nun endlich Ruhetag. Aber auch der beginnt mit einem ausgiebigen Spaziergang. Dafür ist am Nachmittag Zeit zum Lesen und zum Schwimmen. Wer hätte gedacht, dass das Meer im Oktober noch so angenehm ist. Elisabeth hält nichts vom Faulenzen, sie muss auf den Hausberg. Doch wenn man alles schon beim ersten Mal erledigt, gibt es keinen Grund mehr wiederzukommen.
Samstag – letzter Tag, so schnell ist die Woche vergangen. Stefan empfiehlt uns eine Radtour über Lumio, Arapessa, Muro etc. Unterwegs machen wir einen Abstecher in ein uriges Kaffee in Feliceto. Abseits der Pieds Noirs treffen sich hier die echten Korsen vor der Wildschweinjagd. Café au lait zum Abschied – wir können es kaum glauben, dass der Urlaub schon zu Ende ist – gerne würden wir noch ein paar Tage anhängen.
Nach der Radtour noch ein letztes Mal an den Strand, ein letztes Mal ins Meer. Ich koste die Sonne aus bis zum Schluss – rücke das Badetuch immer noch ein Stückchen weiter um auch noch die allerletzten Sonnenstrahlen zu erwischen. Gehe noch ein letztes Mal ins Meer, es wird lange dauern, bis ich das nächste Mal die Möglichkeit dazu habe.
Abends wird in der U Spelunka Abschied gefeiert – nicht nur wir nehmen Abschied, auch ein Großteil des Personals – denn hinter uns werden bis zur nächsten Saison die Tore geschlossen. Es ist ein freundschaftliches, ein familiäres Fest – und wir sind Teil dieser Familie. Später holt Manfred seine Gitarre und wir sitzen noch bis weit nach Mitternacht und versuchen vergeblich die Zeit anzuhalten.
Was bleibt, ist die Erinnerung an einen wunderschönen Urlaub, an neue Freunde und ein Bildschirmschoner, der mich täglich an die fast kitschig anmutende Westküste Korsikas erinnert.

Au revoir nous reviendrons!

Sigrid

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