Auf Korsika werden Träume wahr

November 27, 2008 3 Comments »

Bereits am 23.09.2005 war ich mit Hansjörg auf Tour zur Paglia Orba. Beim Abstieg zogen damals Wolken auf und es schien, als ob aus dem Fenster des Tafunato der Rauch wie aus einem Kamin steigt. Da kam der Wunsch in mir auf, dorthin möchte ich auch mal klettern. Dieses Jahr war es dann so weit. Als das Programm der 21. Saisonwoche ausgehängt wurde, war ich die Erste, die sich in die Liste eingetragen hat. Da es am Sonntag auf dem Cinto geschneit hatte, wurde kurzerhand die Tour zum höchsten Berg Korsikas abgesagt und der Tafunato auf den Mittwoch vorgezogen. Sehr schnell kam der Tag und als um 4.30 Uhr mein Wecker klingelte, schaute der fast noch volle Mond vom sternenklaren Himmel ins Fenster herein und wunderte sich, warum einige Urlauber zu so früher Stunde schon aufstehen. Nachtportier Thomas hat das Frühstück vorbereitet und so treffen sich 13 Wanderer und die Tourenführer Hansjörg und Toni um 5 Uhr ein. Als wir eine halbe Stunde später im Kleinbus sitzen, beginnt die zügige Fahrt durch die Nacht zum Col de Vergio. In Ponte Leccia zeigt das Thermometer gerade mal 5°C an. Nachdem wir dann ins Golotal einbiegen, beginnt die kurvenreiche Strecke. Die Sonne steigt immer höher und wir erkennen immer besser die gewaltigen Berge, die vorher nur als Umrisse zu sehen waren. Bei Calacuccia wird das Cinto–Massiv vom Morgenlicht angestrahlt und der Paglia Orba, die 5 Brüder und natürlich auch der Monte Cinto erstrahlen in rötlichem Schimmer. Als wir kurz vor 8 Uhr am Ausgangspunkt Le Fer à Cheval (1.329 m) angekommen sind, ist die frische Morgenluft für einige eine Wohltat. Hansjörg verteilt die Sitzgurte an seine Schützlinge und ohne noch lange in der Kälte stehen zu müssen, beginnen wir die Wanderung. Mit gleichmäßigem Schritt geht es als erstes durch einen Birkenwald. Nach einer halben Stunde erreichen wir die Bergerie, in der die Schafe noch zusammengetrieben eingesperrt sind. Über den schmalen, steinigen Weg geht es stetig bergauf, vorbei an zum Teil über 300 Jahre alten Lariccio-Kiefern. Das Rauschen des Golo verfolgt uns bis zur Ciottulu-di-i-Mori-Hütte (1.991 m).

Um etwa 9 Uhr beginnt dann ein großes Geschrei. Ein korsischer Bauer reitet mit seinem weißen Pferd bergab und hat noch zwei Pferde, die Lasten tragen, im Schlepptau. Hansjörg ruft uns zu, dass wir alle schnell aus dem Weg gehen sollen. Der Korse wiederum schreit immer „no Photo“, weil er nicht fotografiert werden möchte. Noch lange wird diskutiert, warum der Reiter es so sehr ablehnte, als schönes Fotomotiv zur Verfügung zu stehen. Nach weiteren 30 Minuten auf dem GR20 sehen wir unser Ziel: das Fenster des Tafunato. Inzwischen sind wir auch aus dem Schatten der Felsen gewandert und können unsere Jacken ausziehen. Obwohl die Sonne vom strahlend blauen Himmel scheint, ist die Temperatur immer noch angenehm kühl. Gegen 11 Uhr haben wir dann unsere erste  größere Pause knapp oberhalb der Mori-Hütte. Hansjörg wählte für den heutigen Tag anstatt der sonst üblichen kürzeren Route vom Col des Maures die längere Variante, östlich vom Fenster hinauf, die direkt bei unserem Rastplatz beginnt. Bevor es weiter geht, ziehen wir die Gurte an und werden von Hansjörg und Toni auch angeseilt. Bei den ersten Kletterstellen werden wir noch eingewiesen, wie wir uns am Seil zu verhalten haben, und schon geht es steil bergan. Hansjörg ermahnt uns immer  wieder, vorsichtig zu sein, weil er einen von uns ausgelösten Steinschlag befürchtet. Zügig klettern wir die ca. 300 m in 45 Minuten hinauf und werden durch einen tollen Ausblick durch das Fenster in das Fangotal belohnt. Bis jeder sein Foto geknipst hat, vergeht eine halbe Stunde. Da keine Gewitterwolken aufziehen, werden wir auch nicht zum Aufbruch gedrängt. Ohne Probleme meistern wir auch den Abstieg hinunter am teils ausgesetzten Fels. Nachdem wir längst schon die Mori-Hütte hinter uns gelassen haben, wird der Paglia Orba in Wolken gehüllt. In den sonst beliebten Golo-Badegumpen will sich niemand erfrischen, das Gebirgswasser ist doch sehr kalt. In der Bergerie de Radule kehren wir zum Abschluss noch ein. Als wir dann um 16.30 Uhr alle zufrieden im Bus zur Rückfahrt sitzen, sind wir uns einig, welch schönen Tag und schöne Tour wir doch erleben durften.

Alexandra

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3 Comments

  1. Eckhard 25. Februar 2009 at 17:27 -

    Hallo Alexandra, Ihr habt lange diskutiert, weshalb der Reiter es ablehnte als schönes Fotomotiv zur Verfügung zu stehen – das ist genau der Punkt, er möchte nicht als „Fotoäffchen“ in diversen Alben zu sehen sein, bei ihm völlig fremden Menschen. Vielleicht hättet Ihr einfach erst einmal einen Plausch mit ihm anfangen, ihn nach seinem Weg fragen, von Euch erzählen sollen und so weiter und ihn dann fragen, ob Ihr nicht ein Foto mit ihm machen könnt…Ciao. Eckhard

  2. Hansjoerg 5. April 2009 at 14:53 -

    Hallo Eckhard, danke für deine Anregung. Genau so sollte man weltweit vorgehen um die Einheimischen nicht vor den Kopf zu stoßen. Bei uns war die Situation etwas anders gelagert. Wir haben die zwei Reiter mit ihren Packpfernden schon von weitem gesehen und um Pferd und Reiter nicht zu verschrecken, haben wir den Weg gleich frei gemacht. Als Gebirgsmensch war dies für mich eine Selbstverständlichkeit. Aber der spinnige Saumtierführer,von dem ich schon gehört habe, daß er schon vor Jahren einem Toursten, vom Pferd aus, einen Kinnhacken gegenben hat, ist einfach ein Koleriker, und ein Touristenschreck. Von einer Entfernung von 50 Metern haben dann welche von uns ihn Fotografiert.Daher glaube ich nicht, dass die Fotoaufnahmen seinen Hauptärger erregt haben. Hansjörg.

  3. Eckhard 14. April 2009 at 11:06 -

    Hallo Hansjoerg, sicher gibt es auch auf Korsika Leute, die von vornherein keinen Kontakt mit uns Touristen wünschen. Da kann man dann für sich nur sagen, Pech gehabt. Schön, daß ihr offensichtlich einen guten und rücksichtsvollen Umgang mit Leuten in den Bergen pflegt. Weiter viel Spaß und interessante Touren in diesem Sinne. Ciao. Eckhard

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