Banana Split

Dezember 10, 2008 No Comments »

Pfingsten 1991 entdeckten wir Korsika. Wir waren auf Anhieb verliebt in diese Insel der Schönheit, und diese Liebe hält nun schon länger als ein Jahrzehnt. Jeder erholte sich auf seine Art: Helga brauchte nicht zu kochen und nahm schon vor dem Frühstück an der Gymnastik am Strand teil. Eva nahm an Surf- und Kletterkursen teil, Uwe war geschickter Feldspieler beim Fußball übers Netz, und Papa erholte sich bei ausgedehnten Bergtouren rasch und vollständig vom Stress der Firma.
Das tolle war jedoch, dass wir neben all diesen Einzelaktivitäten auch noch eine Unmenge zusammen machten, z.B. die Klippenwanderung, die Radtour durch die Dörfer der Balagne und die Besteigung des Hausberges (Capu di a Veta), der 720 m über der Bucht von Calvi trohnt. Der Rückweg vom Hausberg führte über die ehemalige Wallfahrtskirche Madonna della Serra in die Altstadt von Calvi. Und weil alle, insbesondere Uwe, so gut durchgehalten hatten, gab es an der luxuriösen Hafenpromenade von Calvi im „Café du Port“ ein Eis. Wie zu erwarten, wählte Uwe „Banana Split“.
Im darauf folgenden Jahr nahmen wir an einer botanischen Führung zur Madonna della Serra statt, an deren Ende sich die Gruppe auflöste und jeder seines Weges ins Feriendorf oder in die Altstadt von Calvi gehen konnte. Doch bevor wir uns endgültig verabschiedet hatten, war Uwe weg. Als wir es bemerkten, herrschte zunächst blankes Entsetzen:

»Unser Uwe. Behindert. Kein Französisch. Kein Geld. Wie kommt der je wieder?«

Schnell kehrte die rationale Sachlichkeit zurück. Zunächst vermuteten wir, dass er in einem Laden vor einem Fernseher hocke. Gedacht, gesucht. Fehlanzeige.
Dann kam uns die entscheidende Idee. »Was haben wir letztes  Jahr auf dem Rückweg von der Madonna della Serra gemacht?« »Richtig! Eisessen am Hafen.« »Also, auf zur Hafenpromenade«. Und wer saß da seelenruhig ohne einen Pfennig Geld im Korbstuhl des teuren „Café du Port“ vor einem „Banana Split“: unser verlorener Sohn, dessen Bestellung offenbar unmissverständlich war.

Und so wurde „Banana Split“ im Café du Port auch in den Folgejahren ein Klassiker.

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