Die Spelunke

Februar 27, 2009 No Comments »

Ich liege in meiner Badewanne. Das Wasser plätschert leise, korsische Musik beflügelt meine Erinnerungen. Korsika – meine zweite Heimat. Wie oft war ich schon dort um Glück und Schönheit tief in mich auf zu nehmen. Ich sehe die Weite, rieche das Meer und wie der Strand langsam in Hügel übergeht und zu immer höheren Bergen werden. Ein leichter Windhauch trägt den Duft von Laritcio-Kiefern zu mir herüber.  Ohne dieses Land wäre mein Leben nur halb so schön. Ich wandere durch die Landschaft begleitet vom Duft der Macchia. Ich verspüre Lust die frischen Kräuter am Wegesrand zu pflücken, wie ich es immer auf den alten Eselswegen tue, um den Duft für immer bei mir zu haben. Die Sonne scheint unaufhörlich. Und das ist gut so. Ich muss auftanken für die restliche Zeit im Jahr in der ich nicht im Paradies sein kann. Wir machen Rast, trinken einen Schluck Wasser singen und lachen. Seit Jahren bin ich mit dem Störrischen Esel unterwegs um Korsika kennen zu lernen. Normalerweise bin ich nicht gerne mit Gruppen unterwegs. Aber die Erlebnisse in einer Gruppe vom Störrischen Esel sind anders. Ich fühle mich aufgehoben und angenommen wie in einer Familie. Das ist das Besondere in Korsika. Alle Menschen egal was sie bedrückt werden ruhig und glücklich. Wir sehen zum Gipfel hinauf. Die blauen Felsen locken uns an.
Blau – wie die Gumpen von den Cascades de Anglais. Ich erinnere mich, als ich vor ein paar Jahren mit meiner Mutter nach Vizzavona fuhr um an plätscherndem Flusslauf entlang zu wandern. Doch bevor wir die Wanderung begannen, übernachteten wir in einem Hotel und freuten uns auf einen  gemütlichen Abend bei einem Glas Pietra.
Eine freundliche Korsin kam. Zum Glück kann meine Mutter etwas Französisch so konnten wir verstehen dass es Omelett gab mit einem Glas Wasser. In diesem Moment war uns auch das recht. Die Vorfreude des nächsten Tages überschattete die Enttäuschung. Ich versuchte die Brösel vom Tisch zu wischen und schaute mich nach einem Tuch um, um den Tisch von Essensresten zu befreien. Gerade appetitlich war es hier nicht. Die alte Frau bracht unser Wasser. Mein Blick erstarrte, als ich das Glas sah. Die Finger der Frau waren so dreckig, es war mir vorhin gar nicht aufgefallen. Am Glas rannen schwarze Tropfen herunter. Meine Mutter und ich sahen uns an. Wir hatten sehr viel Durst doch das zu trinken erforderte sehr viel Mut. Was sollten wir tun? Das Französisch meiner Mutter war nicht so gut um eine diplomatische Beschwerde zu formulieren. Wie mag erst das Essen zugerichtet werden? Mir wurde übel. Und so kam es auch. Wir lächelten der Bedienung gequält zu und betrachteten das Essen. Das Omelett war fast roh. Das flüssige Ei schwamm herum. Die Teller wiesen eindeutige Gebrauchspuren früherer Mahlzeiten auf. Wir waren ratlos und doch hungrig. Aus unserer Not heraus aßen wir ein paar Happen und verschwanden in unser Zimmer. Ich freute mich wenigstes auf eine Dusche. Aber, wie konnte es auch anders sein. Das Badezimmer bestand aus einer alten, verrosteten Badewanne, die sicher schon Jahre lang nicht mehr geputzt wurde. Das Wasser rann aus einem Schlauch. Kein Problem dachte ich. Für eine Nacht halten wir das alles aus und schlüpften in das Bett. Schnell schloss ich meine Augen um meinen Ekel zu verdrängen, denn auch die Bettwäsche war gebraucht.
Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen und verschwanden in die Wälder Korsikas. Bald war alles vergessen. Wir wanderten zwischen rauschenden Kiefern und in der Sonne glitzerndem Wasser umher. Der Duft berauschte unsere Sinne. Ich ertappte mich, wie meine Augen den Flusslauf absuchten nach einer großen Gumpe Ausschau haltend, um zu baden. Endlich lag eine riesige Gumpe mit eiskaltem Wasser vor uns. Wir sprangen hinein und genossen das prickelnde Gefühl auf er Haut als die Sonne unsere Haut wieder trocknete.
Genau diese Erlebnisse sind es, die Korsika so einzigartig machen. Erlebnisse, die ich nie vergessen werde. Die Gerüche der Macchia, das blaue Meer eingerahmt von bizarren Bergen und Seen in den höchsten Ebenen, unberührter Natur, Weite, die kleinen gemütlichen Städte und lieben Menschen mit ihren wundervollen Spezialitäten, die den Gaumen verführen.
Seit dem  Erlebnis in der Spelunke haben wir allerdings unsere Strategie der Korsikaerkundigungen geändert. Wir machen alle Wanderungen mit dem Störrischen Esel, um noch mehr schöne Erlebnisse zu bekommen.
Die Korsische Musik erinnert mich, dass ich in der Badewanne liege und ich habe Sehnsucht nach der Ille de Beaute.

Susanne Neumeier

Related Posts

Leave a Reply