Einmal Korsika, immer Korsika

November 27, 2008 No Comments »

Und wieder ist ein Jahr vergangen. Schnell und unaufhaltsam hat sich der Sommer davongeschlichen und dem Herbst das Regiment übergeben. Auch auf Korsika haben uns die ersten Oktobertage kalte Schauer über den Rücken gejagt. Für Strandgelage war es meist zu kühl und windig. Aber für Wanderungen war das Wetter einfach perfekt. Und da kam mir das tolle Wander- und Radfahr-Programm im Störrischen Esel gerade recht. Ich gehöre ja, wie viele andere, die im Störrischen Esel Urlaub machen, zu den „Wiederholungstätern“. Auch wenn ich erst zum zweiten Mal hier bin. Einmal der Insel der Düfte und Farben verfallen, zieht es einen immer wieder hierher. Daran ist natürlich nicht nur Koriska schuld. Auch die ausgesprochen nette Atmosphäre im Feriendorf trägt dazu bei. Hier treffen sich Gleichgesinnte und aus Fremden werden schnell Freunde. Eine Wanderung hat mir besonders gut gefallen. Mit Hansjörg sind wir zu den Ruinen von Occi, dem verlassen Dorf in den Bergen, marschiert. Um neun Uhr früh geht es los. Hansjörg, unser liebenswerter Wander-Guide aus Vorarlberg, zählt fröhlich seine Schäfchen, alle sind da. Ein kleines Stück sind wir mit dem Bus gefahren, ins Örtchen Lumio. Unser Weg führt uns durch den verschlafenen Ort, vorbei an hübschen kleinen Häuschen. Niemand ist zu sehen. Wohnt hier überhaupt jemand? Eine scheue, schwarz-weiße Katze schleicht mit eingezogenem Kopf eine Mauer entlang und verschwindet schnell hinter einer Haustür. Vögel zwitschern im Morgendunst. Es „herbstelt“ schon. Der Blick hinunter ans Meer ist sehr getrübt. Nach ein paar Minuten Gehzeit zweigt ein steiniger Weg in die Macchia ab. Von nun an geht’s bergauf. Wie ein bunter Tatzelwurm schiebt sich unsere Gruppe durch die grünen  Stauden. Die meisten Pflanzen kenne ich – als Stadtkind – gar nicht. Die Zistrose, ein kleiner Strauch mit verwelkten braunen Blüten, hat noch immer einen würzig aromatischen Duft, wenn man an den Blätter reibt. Im Frühling, erzählt Hansjörg, musst du herkommen, wenn die Zistrose und die Immortelle blühen, dann ist diese Insel ein Duft- und Farbenmeer. Für mich ist der Duft der verblühten Immortelle etwas gewöhnungsbedürftig. Riecht sie nicht nach Maggikraut? „Ich nehme immer einen ganzen Plastiksack voller Immortelle mit nach Hause“, erzählt eine Wandergefährtin, „dann habe ich den Geruch von Korsika immer in der Nase.“ Ich pflücke lieber etwas Rosmarin…..

 

 

Wir stapfen nach oben und bald haben wir das Plateau erreicht, auf dem die Kapelle Notre Dame de la Stella steht. Leider geschlossen. Ein kalter Wind pfeift uns um die Ohren. Die Sonne hält sich bedeckt. Wer geht noch mit auf den Gipfel? fragt Hansjörg. Unsere Gruppe teilt sich, einige marschieren sofort zu den Ruinen, wir wählen den Umweg über den Gipfel des Monte Occi. Nach einer halben Stunde stehen wir am Gipfelkreuz. Ein Kampf gegen den Sturm. Unsere Belohnung: Ein 360 Grad Rundblick. Traumhaft. In Calvi scheint schon die Sonne. Unter uns die Ruinen von Occi, dem verlassenen Dorf.

Edith Reif

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