Geschichten aus der Geschichte

Januar 2, 2009 No Comments »

Teil 2   –   im Feriendorf „Zum störrischen Esel“

Nach 36 Stunden Anfahrt hängen wir schlapp, aber glücklich, in den Stühlen auf dem Sandplatz. Der Lagerleiter, eine eindrucksvolle Persönlichkeit, macht uns mit den Gegebenheiten im Feriendorf bekannt. Anschließend gibt es Ratschläge zum Verhalten gegenüber der korsischen Bevölkerung und den Fremdenlegionären. Den Frauen wird empfohlen, auf Anreden und Grüßen der Legionäre überhaupt nicht zu reagieren. Männer sollen sich auf keine Gespräche über Politik einlassen und, im Interesse ihrer Gesundheit, keine korsischen Frauen ansprechen, oder gar einen Flirt zu versuchen. Während dieser Ausführungen wird die Familie Orlik aufgerufen. Der kleine Sohn hat sich auf der Toilette eingesperrt und kann nicht heraus. Das ist kein Wunder, denn der Riegel ist verkehrt angeschlagen. Auch so kann man bereits am ersten Tag einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen. Es stellt sich heraus, dass ein Großteil der Feriengäste Bergsteiger und Wanderer sind. So entstehen in den 2 Wochen wunderbare Kameradschaften. Die Bergreferenten führen uns auf herrliche Touren, teilweise sogar Erstbesteigungen – Capu a u Ceppu,
Punta Spasimata, ….. -. Das Tüpfelchen auf dem i sind manchmal lange Abseilfahrten. Während dieser Touren entstehen korsische Weisheiten für Bergsteiger, so z. B.: Anhänger von Markierungen sollten ihrer Freude laut Ausdruck verleihen, wenn sie tatsächlich eine solche finden !

Oder

Den Anblick eines sonnigen Meeresstrandes genießt man erst so richtig, wenn man in  ca. 1.000m Seehöhe bei leichtem Nieseln unter einer geschlossenen Wolkendecke sitzt.

Es sind kreative Tage ! Diese Kreativität macht sich vor allem am Gästeabend bemerkbar. Der Aufforderung des Lagerleiters nach Beiträgen folgen so viele Gäste, dass er die letzten auf die nächste Woche vertrösten muss. Trotzdem wird dieser Abend fast 4 Stunden dauern. Ein im Dorf anwesender Künstler hat eine zündende Idee: ein Mann soll mit einem alten, gestreiften Badeanzug und 4 Männer als Frauen verkleidet
auftreten und Charleston tanzen, was keiner kann. In einer 15minütigen Probe werden wir in die Geheimnisse dieses Tanzes eingeweiht. Einige Frauen bemühen sich mit Vergnügen, uns in attraktive Vamps zu verwandeln. Ein Blick in den Spiegel zeigt uns, dass wir sehr schön sind! Allerdings müssen wir fast 2 Stunden auf unseren Auftritt warten, da das Programm so dicht gedrängt ist. Wegen des Überraschungseffekts dürfen wir uns nicht blicken lassen. Wir vertreiben uns die Zeit mit einer Flasche Rose,
noch einer und noch einer. Ich muss einmal austreten. Natürlich gehe ich auf die Herrentoilette. Plötzlich öffnet ein Mann die Tür, sieht mich, entschuldigt sich und schließt diskret die Tür. Ich muss wirklich sehr echt ausschauen. Dann dürfte er doch nachdenklich geworden sein und er blickt nochmals vorsichtig herein. Ich bitte ihn näher zu treten und wir lachen beide sehr herzlich. Endlich kommt unsere Stunde und wir haben einen großen Erfolg, auch wenn wir uns am nächsten Tag nicht mehr so genau erinnern können.

Es ist so herrlich hier wir fürchten uns schon ein wenig vor der Abreise.

Viva la Esel !

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