Geschichten zur Geschichte von Hans Orlik

Januar 2, 2009 No Comments »

Teil 1 – Anreise vor 30 Jahren

Meine Sehnsucht nach den Bergen bzw. der Wunsch von Frau und Kindern nach einem Aufenthalt am Meeresstrand waren Ursache für getrennte Urlaube. Das ist natürlich auf Dauer Schwachsinn.

Damals ist mir in den AV-Nachrichten das Inserat eines Feriendorfes auf der Insel Korsika aufgefallen. Vom „störrischen Esel“ sollen es nur 300m bis zum Meer und wenige Kilometer in die Berge sein. Das mussten wir sehen! Ein kleines Problem war die Anreise – mit der Eisenbahn von Wien nach Feldkirch, weiter mit dem Autobus nach Nizza und von dort mit dem Schiff nach Korsika. Das Gepäck musste natürlich dem Umstand angepasst werden, dass es mehrmals umgeladen wurde. Auch die Kinder (5 und 7 Jahre) bekamen kleine Rucksäcke.Die Nachtruhe vor der Abfahrt war, bedingt durch freudige Erwartung und Aufregung, nicht sehr erholsam. Doch dann beginnt endlich die ersehnte Reise. Die Bahnfahrt ist zwar lang, vergeht aber mit den verschiedensten Aktivitäten relativ schnell. Um 18h30 erwarten uns in Feldkirch bereits 5 Autobusse vom Reiseveranstalter Rhomberg. Da die ersten Feriengäste schon in Dornbirn zugestiegen sind, entfällt das üblich Gerangel um die vorderen Sitzplätze. Nach Einbruch der Dunkelheit lege ich mich im Mittelgang auf den Boden. Auf diese Art hat zumindest ein Kind eine ganze Sitzbank zur Verfügung, und ich habe eine erträgliche Schlafposition. Wenige Minuten später ist der Mittelgang voll mit Menschen, die diese Idee dankbar aufgegriffen haben.

In Mailand gibt es eine größere Pause. Ein großer Teil der Businsassen steigt aus und eilt in die Raststation. 2 Personen versuchen, alle Kaffeewünsche zu befriedigen. Als endlich auch vor mir der ersehnte heiße Kaffee steht, ertönen laut und fordernd die Autohupen und mahnen zur Weiterfahrt. Ich habe die Wahl, das Getränk stehen zu lassen oder mir den Mund zu verbrennen. Die Gier behält die Oberhand. AUA!

Am frühen Morgen erwarten uns in Nizza 2 kleine geöffnete Cafeterias. In großen Kannen sind Kaffee, Tee und Kakao vorbereitet. Dazu gibt es Berge von Croissants. Vor der einzigen Toilette hat sich eine Schlange nervöser Frauen gebildet.. Jede, die etwas länger als die geforderte Durchschnittszeit braucht, wird beim Herauskommen mit Missfallskundgebungen empfangen. Ich bin froh, dass ich zu den Männern gehöre. Diese stehen einträchtig, wie auf einer Schnur aufgefädelt, am Rand des Hafenbeckens und schauen verträumt hinaus auf das weite Meer.

Die Ankunft des Fährschiffes ist für viele von uns, die so etwas noch nie gesehen haben, ein großartiges Erlebnis. Wir müssen lange warten. Immer wieder laufen zahlreiche Frauen und Männer mit großen Besen auf das Schiff und wieder hinunter. Was ist da los? Endlich dürfen wir einsteigen.

Das Schiff gleitet aus dem ruhigen Hafenbecken hinaus auf das offene Meer. Jetzt beginne ich zu ahnen, warum das Putzkommando  in Nizza so intensiv gearbeitet hat. Schon nach kurzer Zeit hängen die ersten bedauernswerten Opfer über der Reling. Während der ganzen Überfahrt lehnen viele in gekrümmter Haltung und mit grün-weißer Hautfarbe in den Stühlen unter Deck.

Wir näheren uns der Insel und mir kommt vor, als wären wir auf der falschen Seite. Nach meinem Kartenstudium müsste ich links das Land sehen, es ist aber rechts. Leider habe ich recht. Wir landen in Bastia. Ein Mitarbeiter des Feriendorfes erwartet uns. Er erklärt uns, warum das Schiff nicht in Calvi angekommen ist, entschuldigt sich und versucht uns für die kommenden zweieinhalb Stunden Autofahrt Mut zu machen. Ein Teil der Gäste beginnt zu murren, andere sind schon dafür zu müde. Die kurvenreiche Straße verlangt den, nach von der Überfahrt gequälten Eingeweiden, das Letzte ab.

Nach rund 36 Stunden kommen wir endlich im „störrischen Esel“ an. Dort sind die Strapazen bald – fast – vergessen. Der warmherzig herzliche Empfang, die herrliche Anlage und dazu Kaiserwetter zeigen erste Wirkung. Bei mir hat sich diese Wirkung auch bim ca. 25sten Besuch nicht geändert. Im Gegenteil – es wird immer intensiver!

Übrigens haben wir diese Reisestrapazen auch in den beiden folgenden  Jahren gern wieder auf uns genommen!

Hans Orlik

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