Inselreise: Korsika per Powerscooter

Juli 21, 2009 1 Comment »

ALLES VON ALLEM!
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Wir preisen das perfekten Urlaubsziel für den, der auf nichts verzichten will

Kühe und ihre Kälber bewachen den Motorradparkplatz an der Bucht von Rondinara, der Ochs hält sich im Hintergrund. Am Wasser ist es idyllisch: So stellt man sich ein pazifisches Atoll vor, das türkisblaue Wasser in der ideal kreisförmigen Lagune hat Anfang Juni schon 26 Grad. Eine Viertelstunde weiter oben im Massif de l’Ospédale braucht man den Pullover. Am schönsten Badetag kann man hier mitten ins Gewitter fahren.
Von – oder in – der Badehose in die Bergschuhe, sozusagen. Allein die Wedelstrecke von den Stränden bei Porto-Vecchio hinauf zum Col de Bavella ist eine der Quintessenzen einer Korsika-Reise mit dem Motorrad.

Auch der Plage de Palombaggia etwas nördlich von der Rondinara wäre natürlich für diese Bergfahrt ein feiner Ausgangspunkt. Er ist nach Meinung vieler Fans der allerschönste Strand auf Korsika – Karibik-Feeling, nur eineinhalb Flugstunden von Österreich entfernt. Spätestens bei den Aiguilles de Bavella, den berühmten sieben zerklüfteten Bergspitzen, kommt dann echtes Luis-Trenker-Feeling auf.


Auf den 40 Kilometern bis zum Pass wehen mindestens vier Klima- und vier Vegetationszonen am Motorradfahrer vorbei. Eine knappe Stunde sollte man für den Weg einplanen, denn die Straße ist kurvig, kurvig, kurvig. Das ist das typische an Korsika: Man fährt um ein Eck, und alles schaut ganz anders aus. Und drei Ecken weiter war schon wieder ein anderer Landschaftsmaler – mit anderen Farben – am Werk. Die Vielfalt ist so enorm und immer wieder sogar überwältigend, atemberaubend. Ich kenne keine Gegend auf der Welt (die ebenfalls zu Frankreich gehörende Insel La Réunion vielleicht einmal ausgenommen), die auf knappem Platz so viele Eindrücke anbieten kann wie Korsika, das gerade einmal 183 Kilometer lang und 83 Kilometer breit ist. Von weißen Sandstränden über Weidegegenden bis zu undurchdringlichem Buschwald, von karstähnlichen Mondlandschaften über dichte Schwarzkieferwälder bis zu alpinen Gebirgsszenerien stellt die Insel einen „Kontinent auf kleinstem Raum“ dar. Und nimmt man’s ganz genau, dann ist die im Norden draufgesetzte Landzunge Cap Corse noch einmal ein eigener Mikrokontinent.

Zurück ins Massif de l’Ospédale. Die Strecke kann wirklich was und trotzdem ist sie nur eine von dutzenden wunderbaren Routen. Seit dem letzten Korsika-Besuch vor ein paar Jahren wurde die gewundene Straße erneuert, bis zum Weiler l’Ospédale gibt es jetzt roten, griffigen, für korsische Verhältnisse recht breiten Asphalt. Schon die antiken Römer wussten um die heilsame Wirkung von Höhenluft Bescheid und errichteten hier ein Krankenhaus für ihre Truppen. Die Bettlägrigen hatten immerhin auch sensationelle Aussicht auf den blauen Golf von Porto-Vecchio – einen Blick, den man noch immer in aller Gesundheit aus einer der Bars oder Cafés genießen kann. Im Forêt de l’Ospedale, der ein Märchenwald aus unzähligen korsischen Schwarzkiefern und Korkeichen ist, wird’s ordentlich  frisch. Die unbeaufsichtigt herumwandernden Rindviecher stehen bis zu den Knien im Bergsee (der ein Stausee ist), wenn sie sich nicht gerade an Eicheln gütlich tun. Das sehen wir sehr gerne – denn von der gründlich ausgewählten Nahrung kommt der herrliche Geschmack des korsischen Rindersteaks, wie wir beim Abendessen noch merken werden. Wer sich die Zeit nimmt, der unternimmt den halbstündigen Marsch zum Piscia di Gallo, dem „Hahnenpiss“, welcher der beste Wasserfall auf der Insel ist – der gebündelte Strahl trifft 75 Meter genau in die Tiefe.
Duch das Bergdorf Zonza fährt früher oder später jeder Korsikareisende. Ganz knapp am Bavella-Pass ist es ein begnadeter Straßenknotenpunkt: Aus jeder der vier Himmelsrichtungen kommend gibt es immer drei Möglichkeiten zur Weiterfahrt – und die Wahl fällt jedesmal verdammt schwer. Eine Möglichkeit ist schöner als die andere. Am besten, man überlegt sich das bei einem Espresso oder einem korsischen Cola. Die Kreuzung ist ein netter Motorradfahrertreffpunkt – im Jahr 2002 kam uns hier ganz zufällig Motorrad-Exstaatsmeister Christian Zwedorn über den Weg … Bleibt man über Nacht, dann sollte man sich ans süffige korsische Kastanienbier Pietra halten. Und falls die Abendrestaurants schon offen haben, dann kann man gerade hier im Landesinneren an eine gute Bachforelle, an ein gehaltvolles Wildschweinragout oder das erwähnte sensationelle Steak kommen. Dazu passt in jedem Fall der überraschend empfehlenswerte Vin du Corse. Man sieht, hier ist vom Kurvenkulinarium das leibliche nicht weit weg.

Die unvermutet aus dem Wald auftauchende Pferderennbahn gleich rechts neben der Straße von Zonza zum Col de Bavella gibt es immer noch. Bei meiner ersten Korsika-Motorradrunde 1982 hatte ich das Glück, gerade zu einem sonntäglichen Rennnachmittag zurecht zu kommen und durfte erstaunliche Eindrücke gewinnen: So war es damals üblich, dass viele der männlichen Besucher Patronengurte und – gut sichtbar – Revolver trugen; die ebenfalls anwesenden weiblichen Inselschönheiten hatten ihre Blicke züchtig auf den Boden gesenkt. Ich bewegte mich vorsichtig. Noch heute kann ich mir auf diese seltsame Folklore keinen Reim machen. Dass fast jeder richtige Korse zumindest ein tüchtiges Gewehr zuhause stehen hat, ist aber weithin  bekannt.

Spurwechsel und Farbwechsel gefällig, rote Gebirgsketten und stahlblauer Himmel statt grauem Gestein und Nebelschwaden? Dann kommt die biegungsreiche Überfahrt an die zerklüftete Ostküste. Zum Beispiel zu den legendären roten Zacken der Calanche, die bis jetzt noch in keinem Motorradreisebericht über Korsika gefehlt haben. Doch bis dahin zeigen sich noch etliche der vielen Gesichter Korsikas: Fehlen noch mediterrane Olivenhaine oder Weinberge? Zu finden rund um den Golf von Valinco, unterhalb der Bilderbuchstadt Sartène. Üppige Kastanienwälder, weitere Wasserfälle mit malerischen ausgewaschenen Becken, in denen ein kaltes Bad genommen werden kann? Dann fährt man in die Castagniccia an der Ostküste, ins Restonica-Tal im Herzen Korsikas oder von der Westküste aus in den Forêt d’Aïtone.
Durch die berühmte korsische Macchia kommt man sowieso immer wieder: Buschwald, undurchdringliches Gestrüpp von einem bis fünf Metern Höhe. Auch hier haben es Motorradfahrer viel besser als Touristen im Auto, nämlich wegen des Geruchserlebnisses. Das „undurchdringliche Gestrüpp“ besteht aus Pflanzen, die die Insel im Frühjahr mit ihrem Blütenmeer überziehen und aus wohlriechenden Kräutern – Lavendel, Thymian, Wacholder, Myrte, Lorbeer, Rosmarin oder Salbei vereinigen sich in immer wieder neuen, verfeinerten olfaktorischen Nuancen. In der gesellschaftlichen Vergangenheit der Insel wird die Macchia gerne als fast hundertprozentig sicheres Versteck der Freiheitskämpfer und Banditen mystifiziert. Besonders mit dem (so wie auf Sardinien und Sizilien) jahrhundertelang ausgeübten Volkssport der Vendetta – Blutrache – ist die Macchia untrennbar verbunden. In der Macchia findet man sich selber nicht, also kann man auch nicht gefunden werden. Jedem, der einmal am Straßenrand stehenbleibt, um vielleicht im „Gebüsch“ ein kleines Geschäft verrichten zu wollen, wird diese Tatsache vollkommen klar.

Eine Hochburg – und das nicht nur optisch – in den korsischen Mythen ist die Stadt Sartène. Ein Schriftsteller vom französischen Festland hat vor fast 200 Jahren gemeint, dass die Stadt „ganz besonders korsisch“ ist, und seitdem verzichtet kein Reiseführer auf diesen Vermerk. Was stimmt, ist, dass Sartène besonders trutzig erscheint. Korsika war immer das Opfer der Begehrlichkeiten fremder Mächte und Kulturen und litt unter ständiger Fremdherrschaft – die Bevölkerung zog sich ins Landesinnere zurück und verschanzte sich in hohen, bedrohlich wirkenden Häusern. Das prägt das Bild der vielen kleinen Bergdörfer. Ein Spaziergang durch die engen Gassen der Altstadt von Sartène macht das deutlich.
Steigt man von Propriano im Golfe de Valinco über kleine Nebenstraßen im Hinterland nach Sartène an, dann steht man plötzlich mitten am Hauptplatz. Der Place de la Libération mit den vielen Cafés strahlt behaglichen Wohnzimmercharakter aus, das Städtchen wirkt hier gleich ganz freundlich. Auch die Leute: Parkt man das Motorrad falsch, wird man zuerst einmal darauf aufmerksam gemacht und darf die Maschine für den Rest des Tages auf den Gehsteig schieben, ohne dass gleich der Strafzettel gezückt wird. Immer wieder erleben wir die Korsen als motorradfreundlich und rücksichtsvoll. Im Lauf des Tages verändert der Platz ein paarmal das Gesicht: Zu Mittag sind die älteren korsischen Herren plötzlich aus den Cafés verschwunden (wahrscheinlich Siesta?), dann halten die Tagestouristen Einzug; am Abend sind die Lokale lebendiger Treffpunkt für alle.

Das imposante Bonifacio auf dem wellengepeitschten hohen Kreidefelsen, die südlichste Stadt der Insel, ist Fixpunkt. Der Fährhafen nach Sardinien ist auch die bevorzugte Marina von Reich und Schön, Prunk und Protz, auch wenn die wirklich großen Oligarchenjachten hier gar nicht einmal umdrehen können. Von Bonifacio nur die Fotos anzusehen genügt nicht, man kommt um diese Attraktion ganz einfach nicht herum.
Ganz im Sinne der Gegensätzlichkeiten Korsikas gibt es gleich ums Eck wieder Landstriche, die wahrscheinlich nicht einmal von den Einheimischen wahrgenommen werden. Hier eine eher unbekannte Halbtagesrunde, auf der mir im Lauf der gesamten Fahrt gerade einmal zwei Autos und kein einziges Motorrad entgegengekommen sind: Vom Ferienzentrum Propriano nimmt man die kleine D557 zu den heißen Thermalbädern (auch das gibt’s in dieser Wunderwelt!) von Baracci. Dann wird es völlig still. Auf engen, aber guten Fahrbahnen – am Anfang noch durch Dornröschenwälder – geht es zum Col de Siu, dessen rotes Felsmassiv schon aus der Ferne höchst verlockend herscheint. Über engste Tornante, die man enger in ganz Südtirol nicht finden kann, schraubt sich die Straße zum Pass, menschenleer, immer wieder mit grandiosen Ausblicken auf den Golfe de Valinco. Der Col de Siu steht den glühend roten Felsen der Calanche, wo auch die Urlauberkameras glühen, kaum nach – ist aber wohl noch nicht entdeckt worden. Die Slalomrückfahrt führt wieder durch alpin wirkende grüne Gegenden, vorbei am reizenden Kirchlein von Santa-Maria-Figaniella. In Fozzana darf man sich eine Jause gönnen. Das Dörfchen ist bei der Durchfahrt unscheinbar, hat aber Geschichte: Colomba Bartoli, wohl die schrillste Gestalt in der Geschichte der Vendetta, wiegelte hier über Jahrzehnte (sie starb im Alter von 96) das Dorf und die gesamte Umgebung gegeneinander auf. Legendär, leidenschaftlich und wunderschön sollen ihre Klagegesänge an den Särgen ihrer Söhne gewesen sein. Da ist uns der heute auf Korsika wieder sehr in Mode gekommene, wohltuende polyphone Männergesang schon deutlich lieber. Oder das korsische Weizenbier, das ebenfalls Colomba heißt – vielleicht wegen der Leidenschaft …
Eine Motorradreise nach Korsika ist immer so etwas wie eine Pilgerreise ins gelobte Land. Mindestens einmal im Leben muss man das tun. Einmal jährlich wäre auch ok.

REISETIPPS

STECKBRIEF & ALLGEMEINES
Mit zirka 8700 Quadratkilometern (183 Kilometer lang, 83 Kilometer breit) ist Korsika die viertgrößte Mittelmeerinsel; mit etwa 280.000 Einwohnern (entspricht ungefähr der Bevölkerungszahl von Graz) ist sie die am dünnsten besiedelte. Seit 1976 ist Korsika in zwei Départements aufgeteilt, Haute-Corse und Corse-du-Sud. Hauptstadt von Oberkorsika ist Bastia, Südkorsika wird von Ajaccio verwaltet. Touristenmagnet und südlichste Stadt (nur zwölf Kilometer von Sardinien entfernt) ist Bonifacio; Corte im Inneren der Insel ist Universitätsstadt und historisches Zentrum. Neben der Amtssprache Französisch wird in den Schulen seit einigen Jahren auch wieder der latenisch-italienische Dialekt Korsisch gelehrt. Großindustrie gibt es in Korsika kaum. Haupteinnahmequelle ist der Fremdenverkehr, der sich auf wenige Sommermonate konzentriert. Landwirtschaft, Bauwesen, Lebensmittelproduktion, Schweinezucht, Austernzucht und etwas Fischfang sind weitere Existenzgrundlage.

GEOGRAFIE & GESCHICHTE
Korsika ist die gebirgigste Insel des Mittelmeeres, eine Gebirgskette mit mehr als 50 Zweitausendern durchzieht die Insel vom Nordwesten bis in den Südosten; höchste Erhebung ist der 2706 Meter hohe Monte Cinto. Die Westküste ist zerklüftet und bietet immer wieder wunderbare, goldfarbene Sandstrände. Die flache Ostküste ist zwischen Bastia und Solenzara wenig ereignisreich, alle anderen Regionen sind enorm vielfältig und abwechslungsreich – vom karibisch-türkisfarbenen Wasser an sandigen Sonnenstränden kann man innerhalb von 20 Minuten ins schroffe Hochgebirge mit beeindruckenden Felsformationen gelangen. Die Vegetationszonen sind ebenso unterschiedlich, die Pflanzenwelt ist äußerst abwechslungsreich. Das Nationaltier Korsikas ist der Mufflon, etwa 800 dieser Wildschafe soll es noch geben. In den Wäldern leben zigtausende Wildschweine, verwilderte Hausschweine und ihre Kreuzungsformen, auch die Rinder bewegen sich frei.
Erste Besiedlung der Insel fand um 7000 v. Chr. statt. Über die Urkorsen, die spätere Megalithkultur und die folgende torreanische Kultur gibt es wenig gesicherte Erkenntnisse. 565 v. Chr. gründeten die Griechen eine Handelskolonie, 300 Jahre später fielen die Römer ein – seitdem hinterließen die unterschiedlichsten Kulturen und Nationen ihre Spuren: Goten, Vandalen, Byzantiner, Sarazenen, Spanier, Pisaner, Genuesen, Franzosen und auch Deutsche. Im Jahr 1789 (am 14. Juli findet der Sturm auf die Bastille statt) wird Korsika französisches Département. Die korsischen Autonomiebestrebungen sind noch immer ein wichtiges, hitziges Thema, es gibt ein gutes halbes Dutzend separatistische Organisationen.

 

KLIMA & BESTE REISEZEIT
Die Sommermonate Juli und August (zu dieser Zeit kommt die Hälfte der jährlich zwei Millionen Besucher) sind für einen Motorradurlaub nicht so attraktiv wie Mai, Juni, September oder Oktober: Straßen, Strände und Hotels sind voll, die Temperaturen beträgt bis 35 Grad, dazu kosten die Quartiere doppelt so viel wie zur günstigsten Zeit. Der Mai lockt mit duftenden Blüten und bereits angenehmen Temperaturen, dafür ist im September das Meer wärmer. Duchschnittlich gibt es auf Korsika nur 50 Regentage im Jahr – die Chancen auf sonnige Ferien sind groß! In den Gebirgsregionen sind Wetterumschwünge immer möglich, was man bei der Auswahl der Bekleidung berücksichtigen soll. Das Wetterportal www.meteo.fr gibt recht akkurate Prognosen ab. Im Winter haben fast alle Hotels, Campingplätze und touristischen Einrichtungen geschlossen.

ANREISE & EINREISE
Die klassische Motorradanreise aus Österreich ist noch immer die Fahrt nach Genua oder Livorno, um sich entweder bei Corsica Ferries oder bei Moby Lines zur oberkorsischen Hafenstadt Bastia einzuschiffen; www.corsicaferries.com oder www.mobylines.de. Die Überfahrt dauert vier bis fünf Stunden. Die Preisgestaltung richtet sich nach der Auslastung und sieht ein bisschen nach Tarifdschungel aus, ist aber für Motorradfahrer sehr moderat: So konnten wir zum „Best Price“ bei Moby Lines für den gesamten Sommer 2009 einen Betrag (eine Person, tour-retour, samt Motorrad) von unter 70 Euro ausfindig machen.
Eine Anreise per Linienflug ist nicht ohne Umsteigen in Frankreich möglich. Sehr ansprechend sind die Charterflüge des Korsika-Veranstalters Rhomberg (Adresse siehe Kasten „INFOS & WWW“)  von Wien und Salzburg nach Calvi (jeweils Sonntag bis Sonntag, heuer noch bis 11. Oktober): Der reguläre Preis beträgt 418 Euro, der aktuelle Angebotspreis ist 298 Euro; www.rhomberg.at. Motorradverleiher können ebenfalls über Rhomberg ausfindig gemacht werden. Man spart die Zeit für die aufwändige Anreise sowie deren nicht unbeträchtliche Treibstoff und Verschleißkosten.

GUT ESSEN & GUT TRINKEN
Die schmackhafte, bodenständige korsische Küche weist französische und italienische Einflüsse auf. Die köstlichen Gewürze wie Thymian, Rosmarin, Salbei und Majoran wachsen gleich nebenan in der Macchia; die Schweine und Rinder ernähren sich nach ihrem eigenen Gusto von Eicheln, Edelkastanien und Gräsern – dementsprechend gehaltvoll ist der Geschmack des Fleisches, das fast immer gut durchzogen ist. Wer an ein korsisches Rindssteak oder Ragout vom Wildschwein (sanglier) kommt, wird sich diese Gaumenfreu(n)de merken. Meeresfische finden in den touristischen Zentren statt – der Korse versteht unter Fisch vor allem Forellen aus glasklaren, kalten Gebirgsbächen. Austern werden an der Ostküste für den  Export gezüchet, aber auch direkt verkauft. Wichtiger Bestandteil ist die Charcuterie corse (traditionelle Pasteten, Wurst- und Selchwaren) sowie der feine Frischkäse Brocciu (aus Schaf- oder Ziegenmilch); die deftigeren korsischen Käsesorten sind für unseren Geschmack doch sehr streng. Aus Maroni und Nüssen werden Torten und Kuchen gemacht; Honigliebhabern weht der Kräuterduft der Macchia um die Nase; bei einem Besuch eines der vielen Spezereiengeschäfte kann die Mitnahme eines Gläschens Feigenmarmelade (zum Beispiel zur Abrundung einer Käseplatte) nicht schaden. Korsische Erzeuger von Olivenöl, Käse, Charcuterie, Zitrusfrüchten und Wein wurden kürzlich in einem EU-Projekt katalogisiert und auf den „Straßen der authentischen Sinne“ – den routes des sens authentiques – vermerkt. Wer des Französischen mächtig ist, kann sich von www.corsica-terroirs.com interessante Adressen und Landkarten laden.
Korsischer Wein (es gibt etliche autochthone Weiß- und Rotweinrebsorten) aus acht kontrollierten Anbaugebieten (A.O.C.) ist am europäischen Kontinent so gut wie unbekannt, aber zum Großteil von ausgezeichneter Qualität – und dazu noch erschwinglich, sogar in Restaurants darf man zu einem Flaschenpreis von 20 Euro einen sehr guten Tropfen erwarten; www.vinsdecorse.com.  Cap Corse ist ein inseltypischer Apéritif, der aus Rotwein und Kräutern der Macchia gemacht wird – er ist nicht allzu süß und schmeckt am besten auf Eis mit einer Zitronenspalte; www.capcorsemattei.com. Das beliebteste korsische Bier heißt Pietra, seit den 1990ern wird es aus Edelkastanien hergestellt und ist ein großer Erfolg. Seit wenigen Jahren gibt es auch das Weizenbier Colomba; www.brasseriepietra.com. Die Brauerei stellt in Zusammenarbeit mit der Destillerie Mavela mittlerweile auch korsischen Whisky her.
Weil man bei uns daheim schon einiges gewohnt ist, haben korsische Restaurantpreise mittlerweile einiges an Schrecken verloren. A-la-carte-Essen kann nach wie vor teuer sein, aber viele offerierte Menüs (zum Beispiel Dreigang-Menüs zwischen etwa 18 und 28 Euro) sind schmackhaft, sehr oft regionaltypisch und ihr Geld wert. Und wer wirklich preisgünstig  unterwegs sein will, hat weitere Möglichkeiten: Gute Holzofen-Pizzerias, köstlich belegte Baguettes und mit allerhand leckeren Füllungen versehene Palatschinken sind nicht die schlechteste Wegzehrung, und es gibt sie fast überall.

MOTORRAD & VERKEHR
Obwohl Korsika quasi das perfekte Motorradreiseland ist, musste man spezielle Motorradliteratur über Korsika bis zum Engagement des deutschen Korsika-Fans Christoph Berg wie die Nadel im Heuhaufen suchen. Sein empfehlenswertes Buch „Lust auf Korsika“ kann um 11,90 Euro bei Amazon bestellt werden und gibt nützliche und unterhaltsame Hinweise für einen gelungenen Motorradurlaub. Der Autor betreibt auch eine sehr persönlich gehaltene Homepage, die ebenfalls viele Fragen beantwortet – besonders die Zusammenstellung und die Beschreibung seiner 20 ausgewählten Tagestouren zeigt von detailreicher Inselkenntnis, jede dieser Runden ist ein motorradfahrerischer Höhepunkt; www.bike-and-smile.de
Bis auf die Ostküsten-Nord-Süd-Verbindung von Bastia nach Porto-Vecchio sind die korsischen Straßen sehr eng und sehr kurvig; der Belag ist griffig, einige wenige Nebenstraßen sind holprig; hohe Vorsicht ist geboten, weil im Sommer auch in entlegenen Regionen ein dicker Autobus entgegenkommen kann und weil es sich immer wieder gerne Tiere auf der Fahrbahn bequem machen. Eine Minute pro Kilometer ist die Faustregel, wenn’s zügig dahingeht – auf engen Straßen ist oft nur ein Durchschnittstempo von 40 km/h machbar. In den Ortsgebieten hält man sich an die Tempolimits, denn sie werden streng kontrolliert. Die korsischen Autofahrer sind Motorradfahreren gegenüber extrem rücksichtsvoll und kalkulierbar – was man von den (manchmal wie geistesabwesend wirkenden) Fahrern der vielen Urlauber-Leihautos leider nicht behaupten kann. Eine Übersicht über Markenreparaturwerkstätten findet man auf der erwähnten Homepage von Christoph Berg.
In den touristischen Zentren gibt es eine Reihe von Motorradvermietern, die von kleinen Rollern über 250er- oder 660er-Enduros bis zur Honda Varadero ein gewisses Spektrum anbieten können. Gute Erfahrungen haben wir bereits zum zweitenmal mit Loc Motos 2B gemacht, der Yamaha Tmax oder eine Yamaha 660 XT kosten in der Nebensaison 380 Euro pro Woche, pro Tag sind 300 Kilometer inkludiert. Achtung: Nicht auf einen flüssigen E-Mail-Verkehr vertrauen, sondern sicherheitshalber vor der Anreise telefonieren. Und die Möglichkeit einer Kasko-Versicherung klären – wir verzichteten darauf, ein simples Umkippen vom Seitenständer kostete uns angesichts der angekratzten Plastikteile 480 Euro … Avenue Christophe Colombe, La Roseraie 2, 20260 Calvi, Tel. 0033/495/47 31 30, www.calvi-moto.com

GUT WOHNEN & GUT SCHLAFEN
Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten der Herbergssuche. 195 Campingplätze decken von „naturbelassen“ bis superluxuriös alle Ansprüche ab – eine aktuelle Liste kann beim Frankreich-Tourismus (siehe Kasten) bestellt werden. Die Fermes-auberges beziehungsweise Gîtes ruraux sind ländliche Unterkünfte des Agrotourismus, auch hier reicht das Spektrum von simpel bis nahezu mondän – entweder Broschüre anfordern oder auf Websites stöbern wie www.gites-corsica.com , www.bienvenuealaferme-corse.com oder www.herbergement-corse.com
Bei den Hotels muss man manchmal unerwartete Abstriche in der Lage und der Ausstattung machen, sofern man sich nicht im „ersten Haus am Platz“ einquartiert – das es in manchen Regionen Korsikas gar nicht gibt. Generell hat die korsische Hotellerie jedoch in den letzten Jahren gute Fortschritte gemacht. Drei Motorradmagazin-erprobte Unterkünfte, die wir ohne Einschränkung empfehlen können (für weitere Tipps mailen wir auf Anfrage gerne ein PDF-Dokument von früher erschienenen Korsika-Reportagen): Das ruhig gelegene Hotel San Giovanni am Stadtrand von Porto-Vecchio (Ostküste) ist der absolute Preis-Leistungs-Tipp. Wunderschöne Gartenidylle mit Biotop, großem Pool plus Whirlpool und idealem Frühstückspavillon; die Zimmer sind älteren Datums, aber hochgepflegt; ausgezeichnetes, korsika-typisches Halbpensions-Menü, zuvorkommendes Service; Gratis-WiFi an der Bar. Kann auch tageweise über Veranstalter Rhomberg gebucht werden (siehe Kasten „INFOS & WWW“), eine Woche kostet (inklusive Flug nach Calvi, Halbpension und Mietauto) ab 899 Euro pro Person; Route d’Arca, 20137 Porto-Vecchio, Tel.: 0033/495/70 22 25; www.hotel-san-giovanni.com. Das Hotel Le Golfe hat nichts mit Golfspielen zu tun, es liegt prominent an der kleinen Marina von Porto Pollo am Golf von Valinco (Westküste), mit Fernsicht auf den Ferienort Propriano; erst 2007 eröffnetes, gediegen ausgestattetes Designerhotel; Dorfstrand, aber auch verschwiegene Buchten in Fußweite; Direktor Antoine Garaudelle vermietet das hoteleigene Schnellboot und führt die Gäste mit Picknickkorb zu den schönsten Stränden der Umgebung; Gratis-WiFi in der Lounge; Tagespreise ab 80 Euro pro Person, ebenfalls über Rhomberg buchbar; Porto Pollo, Tel.: 0033/495/74 01 66; www.hotel-corse-porto-pollo.com. Die Rhomberg-Website www.korsika.at können wir grundsätzlich zur Hotelsuche sehr empfehlen, weil man mit dem Rhomberg-Gutscheinsystem für über 90 Hotels sehr leicht das passende Quartier reservieren kann. Die ausgewählten Hotels sind gut beschreiben und verfügen über ein plausibles Preis-Leistungs-Verhältnis.
Versteckt in den Hügeln in der Nähe des Bergdorfs Levie (Südkorsika) liegt mit der Ferme-auberge A Pignata ein edles Refugium für Naturliebhaber: geschmackvoll gestaltete Zimmer mit Aussicht, Indoor-Pool mit Panoramablick, Gratis-Internet; die Brüder Antoine und Jean-Baptiste de Rocca-Serra erzeugen alle Wurst-, Selch- und Fleischwaren für das Restaurant am eigenen Bauernhof – die Verpflegung im A Pignata ist würzig wie die korsische Bergluft! Preis inklusive Halbpension ab 80 Euro pro Person, Route du Pianu, 20170 Levie, Tel.: 0033/495/78 46 03; www.apignata.com

INFOS & WWW
Das französische Fremdenverkehrsamt in Österreich heißt seit wenigen Wochen Atout France, die Adresse bleibt gleich: Lugeck 1/1/7, 1010 Wien. Auf Anfrage versendet man umfangreiche und informative Korsika-Broschüren – weil das Info-Telefon 0900/250 015 gebührenpflichtig ist (0,68 Euro/Minute), empfiehlt sich die Mail-Adresse info.at@franceguide.com. Vor Ort gibt es die zentrale Agence du Tourisme de la Corse in 20181 Ajaccio, 17, boulevard du roi Jérôme, Tel.: 0033/495/51 14 40, E-Mail: info@visit-corsica.com; Homepage www.visit-corsica.com. So gut wie jede Korsika-Frage kann vom Vorarlberger Spezialreiseveranstalter Rhomberg beantwortet werden, man trifft hier auf langjährigen Erfahrungsschatz und große Passion für die Insel: Eisengasse 12, 6850 Dornbirn, Tel.: 05572/224 20-0, E-Mail: reisen@rhomberg.at; Website www.rhomberg-reisen.com oder www.korsika.com.
Diese Internetadressen haben wir vor der Korsikareise unter anderen besucht und wollen sie als nützlich empfehlen: www.korsika-aktuell.de (private Korsika-Fanseite, das Forum ist umfangreich und gut besucht); www.paradisu.at (ebenfalls privat und mit lebendigem Forum, sehr gute Link-Liste); www.corsica.net (Portal mit Angeboten der Tourismuswirtschaft); www.allerencorse.com (allgemeine Infos, aber Schwerpunkt auf Immobilien und Unterkünfte); www.corsica-guide.com (für Französisch-Kundige eine sehr dichte Informationsquelle); www.info.club-corsica.com (Online-Auftritt des Magazins „Corsica“, sehr aktuell)

LITERATUR & KARTEN
„Korsika“ aus der Reihe DuMont direkt (Auflage 2008, 7,95 Euro, inklusive Karte im Maßstab 1:350.000) ist im schlanken Format und mit 120 Seiten Umfang sehr handlich und passt in die Jackentasche, lässt aber keine wesentlichen Informationen vermissen. Die Angaben über Hotels, Restaurants oder Strände sind verlässlich; www.dumontdirekt.de Mit 264 Seiten ist „Korsika“ von Baedeker (Auflage 2007, 17,95 Euro, mit Karte im Maßstab 1:250.000) ein Kompendium mit dichter Information, die Angaben zu Geschichte und Kultursehenswürdigkeiten sind hier am umfangreichsten; www.baedeker.com. „Korsika“ aus dem Michael Müller Verlag (Auflage 2009, 382 Seiten, 19,90 Euro) ist der Führer mit dem breitesten Spektrum. Geschichte, korsische Eigenarten und wirtschaftliche Hintergründe werden beleuchtet, manchmal mit humorvollem Einschlag. Auch ein Kapitel ein kleines Kapitel über das Motorradfahren auf Korsika gibt es; www.michael-mueller-verlag.de. Höchst interessanten Lesestoff gibt es sogar umsonst: Auf seiner Homepage www.paradisu.ch hält der Schweizer Martin Lendi seine Diplomarbeit  über Korsika (mit Infos, die man in Reiseführern sonst nicht findet) zum Download bereitgestellt.
Die bei Atout France (Adresse siehe „INFOS & WWW“) gratis beziehbare „Touristische Karte“ ist eine gute Hilfe, um sich eine Übersicht über die korsischen Verkehrswege zu verschaffen. „Korsika“ im Maßstab 1:150.000 um 8,95 Euro von Freytag & Berndt ist nicht gerade ein Kleinformat, dafür findet man hier wirklich jede befahrbare Straße – somit ein Muss für den Motorradurlaub; www.freytagberndt.com

YAMAHA Tmax 500 IM KURVENGEWÜHL
Der große Korse
Dass wir bei der Auswahl des Mietmotorrades im kurvigen, anspruchsvollen Korsika gerade mit einem Roller einen unendlichen Riesenspaß haben werden, das war vorher nicht so ganz sicher. Fazit: Der sportliche Tmax eignet sich perfekt.
Der Korse selbst weiß wohl am besten, was auf der Insel Platz hat und gibt unserer Meinung Recht: In den Hauptstädten Bastia und Ajaccio sieht man sofort, dass der – nicht gerade billige – Yamaha-500er der mit Abstand beliebteste Großroller ist, vielleicht sogar der meistverkaufte Roller überhaupt. Weshalb? Das Gewicht ist kein Thema, durch den sehr niedrigen Schwerpunkt geht der Maxiscooter widerstandslos und flüssig durch jede noch so enge Biegung; die seit dem Vorjahr etwas vergrößerte Raddimension erlaubt komfortables Fahren auch auf Schüttelstraßen; die mächtige und perfekt dosierbare Bremsanlage könnte man sich nicht besser wünschen; der reichlich dosierte Radstand im steifen Fahrwerk sorgt für Stabilität beim Kurvenanbremsen und bei allen Tempi; Schräglagenfreiheit auch auf griffigem Asphalt beeindruckend; enormes Spurtvermögen dank der CVT-Automatik bei „nur“ 43,5 PS, jedes Überholmanöver gelingt; keinerlei Lastwechsel, weich und sicher einsetzende Kraft bei allen Geschwindigkeiten und in jeder Schräglage.
Im Süden wird man als Nordländer ein bisschen bequem – auch hier hilft der Tmax: großzügige Komfortsitzbank, einen Passagier spürt man nicht; geräumige Handschuhfächer; Yamaha-typischer großer Stauraum unter der Sitzbank, der auch fürs Mitnehmen und die schnelle Erreichbarkeit von umfangreicher Fotoausrüstung bestens geeignet ist. Sollten wir jemals wieder nach Korsika kommen, würden wir den Tmax wieder nehmen.
Yamaha Tmax: 2-Zyl.-4-Takt; 499 ccm; 32 kW (43,5 PS); stufenloses Variomatikgetriebe; Gewicht vollgetankt 221 kg; Tankinhalt 15 l; Spitze 160 km/h; Preis € 9699,–; Wochenmiete auf Korsika € 380,–

Text und Fotos
Michael Bernleitner

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