Mein Korsikatraum

Februar 27, 2009 No Comments »

Als ich das erste Mal mit meiner Familie in Korsika war, vor etwa 20 Jahren, fesselte mich diese Insel durch all Ihre Schönheit so sehr, dass ich bis heute nicht mehr ohne Korsika leben kann. Jedes Jahr war es mein Ziel an den Ort wieder zu reisen, an dem ich Frieden finde. Der erste Duft der Macchia umströmt meine Nase schon am Flugplatz und lässt mich nicht mehr los bis ich die Höhen der Bergwelt erklommen habe. Ich erinnere mich noch sehr genau, als ich beim Störrischen Esel am Diaabend die hohen Berge sah, damals unbezwingbar für mich. Doch sie riefen mich zu sich, ich kam ihnen nicht aus. Mein Ziel wurde es, möglichst alle hohen Berge von Korsika zu erklimmen. Die unberührte Natur, die Ruhe und die frische Meeresluft, die mich immer begleitet, trieben mich an.
Aber da war besonders ein Berg, der mein absoluter Traum wurde. Erst wenn ich auf dessen Gipfel stehen werde, habe ich mein Ziel erreicht: Cappu Tafunatu, der Berg mit dem Loch. So lief ich Jahre lang jede große Bergtour mit, genoss jeden Höhenmeter, um so anstrengender, desto besser fühlte ich mich, denn es würde mich meinem Tafunatu näher bringen. So lernte ich die Gipfel Korsikas kennen und sie zogen mich immer mehr in ihren Bann. Kaum war ein Urlaub zu Ende schon verspürte ich den Wunsch noch einmal auf die Muvrella, Pic von Cube, Pic Lambaduccio, und alle anderen traumhaften Berge zu steigen um das wundervolle Gefühl des Friedens in mir zu festigen. Letztes Jahr kam endlich der Tag, an dem ich zu meinem Tafunatu aufbrach. Als jüngste in der Gruppe, aber das war ich schon gewohnt, kümmerten sich wie immer alle rührend um mich. Ich war so aufgeregt endlich nach all diesen Jahren meinem Ziel so nahe zu sein. Mein Herz pochte und ich machte unendlich viele Fotos. Dieser Tag sollte für immer in meiner Erinnerung bleiben. Es konnte mir nicht schnell genug gehen. Der Anstieg zog sich in die Länge, die Einsamkeit der Weite verlieh meinem Herzen Frieden nur zwei einsame Angler versuchten im Fluss Fische zu fangen. In der Ferne mein Berg! Mühsam näherten wir uns ihm. Die hohe, steile Felswand starrte mich an. Das Adrenalin schoss durch meinen Körper. Endlich stand ich vor ihm! Durch Schneereste stapften wir immer näher. Unser Bergführer gab uns Seilzeug um uns zu sichern. Es war das erste Mal für mich am Seil zu klettern. Aber die Fürsorge und Aufmerksamkeit aller halfen mir, mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren. Schritt für Schritt voller Vorsicht und Rücksicht auf alle, die am Seil hingen kletterten wir in die Höhe. Noch ein Schritt und ich stand im Loch des Berges. Zu beiden Seiten konnte ich in die Täler sehen. Ich war endlich an meinem Ziel. Nach so vielen Jahren hatte ich es geschafft! Mein Traum ging in Erfüllung. Ich war so stolz auf mich und glücklich wie noch nie!
Allerdings waren wir noch nicht wieder unten. Langsam und noch vorsichtiger kletterten wir hinunter. Fast unten angekommen, rutschte ich auf einer Felskante aus. Wie in Zeitlupe sah ich wie ich ohne Halt ab zu stürzen drohte. Ich konnte mich nicht mehr halten. Angstschweiß rann über meine Stirn. Blitzschnell fasste mich eine Hand und riss mich auf den Felsvorsprung zurück. Zitternd stand ich da und weinte fast vor Dankbarkeit. Dieser Tag sollte nicht so enden. Um nicht die ganze Mannschaft auf zu halten setzten wir uns wieder in Bewegung. Mit zitternden Knien suchte ich nach sicheren Trittplätzen. Kurz darauf waren wir unten angekommen. Die Erleichterung war mir an zu sehen. Ich sah zurück und wusste Cappu Tafunatu, du wirst für immer in meiner Erinnerung bleiben und mich für immer glücklich machen. Beim Rückweg schaute ich mich noch oft um, um die Faszination für diesen Berg tief in mich auf zu nehmen.

Susanne Neumeier

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