Monte Ghjenuva

November 24, 2008 No Comments »

Am Mittwoch, den 27.05.08, bot der „liebenswert-verrückte“ Hansjörg zum ersten Mal eine Bergtour auf den „Monte Ghjenuva“ durch die „Désert des Agriates“ an. Dankenswerter Weise stand bis zur Abfahrt um 7.45 Uhr eine Dreiviertelstunde für das reichhaltige Frühstück zur Verfügung. Der stolze Preis von 68,- Euro stand wohl im Zusammenhang mit dem Siebensitzer-Allrad (4×4)-Geländewagen, dessen Fahrer uns pünktlich an der Rezeption abholte. Vier Teilnehmer und Hansjörg waren bereit, sich ins Abenteuer zu stürzen, und zwar der Sepp aus Vorarlberg, der Siegfried aus Tirol und das Ehepaar Hanne und Josef aus Bayern. Sie waren zwar alle schon über 60 Jahre alt, brachten aber durchaus die nötige Fitness für diese Tour mit. Zunächst ging es auf Teerstraßen ca. 50 km bis Casta (flächenmäßig größtes Dorf Korsikas) zügig voran. Die letzten Kilometer hatten wir unseren mystischen „Ghjenuva“ der – wunderschön geformt
– seine Umgebung majestätisch überragte (421 m hoch), immer wieder im Blickfeld. Dort oben müssten sich nachweislich schon in der Steinzeit Menschen aufgehalten haben, da hier später Steinzeitäxte und -pfeilspitzen gefunden wurden. Ab Casta ging es ab in die Wüste „Désert des Agriates“. Vor langer, langer Zeit existierte hier noch die Kornkammer Korsikas und große Schaf-und Ziegenherden. Da aber irgendwann das kostbarste Lebensmittel – nämlich Trinkwasser – knapp wurde, zogen sich die Menschen zurück und in kurzer Zeit war alles von der Macchia überwuchert. Hier , in der fast menschenleeren Gegend, kann man sich gut vorstellen warum auf ganz Korsika nur 240.0000 Menschen leben. Nach ein paar Metern auf der Rüttel-Schotter-Grabenstrecke versperrte schon bald ein Feigenbaum fast die Weiterfahrt, aber unser tüchtiger Fahrer konnte sich mit dem wirklich geländegängigen Allrad-Fahrzeug gerade so vorbei schlängeln. Ca. 20 Minuten später wurde der Fahrer gebeten, das Gefährt abzustellen und etwa 3-4 Stunden auf uns zu warten. Nun ging es etwa eine Viertelstunde auf guter Piste weiter, bis zum Fuß des Berges. Ab jetzt hieß es, viele Wege führen zum Gipfel. Die Korsika erfahrene Hanne und Josef verfluchten schon nach wenigen Minuten, sich heute für die „Kurze“ entschieden zu haben. Dank der Pfadfinder-Qualitäten von Sepp und Siegfried kamen wir aber trotz einiger kleiner „Umwege“ relativ zügig voran. Nun galt es, im extrem rauen griffigen Granit bei I-IIer Kletterei durch enge Rinnen und über kurze Grate die Ideallinie zu finden. Der Himmel war etwas bedeckt, sodass wir nicht allzu sehr schwitzen mussten. Etwa eine halbe Stunde unter dem Gipfel zog sich Josef durch eine kleine  Unachtsamkeit eine Risswunde am rechten Schienbein zu, die aber von Hansjörg und Hanne mittels dreier Spannpflaster  notdürftig zusammen gezogen wurde. Nach kleinen Diskussionen über die beste Aufstiegslinie standen wir nach etwa 2 ½ Stunden auf dem Gipfel, wo uns Sepp mitgebrachten „Roten“ vom „störrischen Esel“ in Plastikbechern anbot. Nachdem sich Hanne als Erste in das von Hansjörg  estiftete Gipfelbuch eintragen durfte, wurde es in zwei Plastiktüten verpackt – unter schweren Steinen – am Gipfel deponiert. Falls es der Sturm nicht herunter reißt, dürfte es wohl 100 Jahre dauern, bis es voll geschrieben ist. Dank Stativ konnten alle Teilnehmer zusammen am Gipfel abgelichtet werden. Kurz unterhalb des Gipfels tat sich ein gewaltiges Felsenfenster auf, was nochmals als Hintergrund für extreme Fotos diente. Nachdem wir unsere Blicke noch bis zum Meer schweifen ließen, wählten wir zum Abstieg
die „stachelige“ Variante durch die Macchia, die durch Steinmännchen relativ gut gekennzeichnet war. Am Gelände-Mitsubishi angekommen, „rüttelten“ wir uns ca. ½ Stunde bis zum Strand von Saleccia, an dem ein kleines Gasthaus namens „U Paradisu“ liegt. Durch die vorherigen Strapazen wussten wir jetzt also, wie schwer es ist „ins Paradies“ zu kommen. Nach dem Genuss eines kleinen Bierchens trauten wir am wirklich weißen Strand unseren Augen nicht, als wir eine kleine Kuhherde sahen, die sich sonnte, und  nach einiger Zeit gemütlich davon trabte. In Erwartung der „grausamen Rückschaukelei“ über Stock und Stein sogen wir noch den Anblick des Strandes und des Flusses „Liscu“ in uns auf, bevor es wieder Richtung Calvi ging. Wir waren alle dankbar, dass wir dieses spannende Abenteuer – zwar leicht verletzt und zerkratzt – aber doch gut überstanden hatten.

Josef Willer, Garmisch-Partenkirchen

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