Oh Solo Mio

November 24, 2008 No Comments »

Alleine verreisen ist für immer mehr Menschen mehr als nur eine Notlösung. Zur Ruhe kommen, die Sonne spüren und die Wellen hören, in sich gehen und neu erfinden – das kann man besonders gut auf der wilden, schönen Insel Korsika. Noch besser, wenn mit dem Feriendorf zum störrischen Esel eine behagliche Basis auf die solo Reisenden wartet.

Aus Dubai, wo wir durch neue, glitzernde Megahotels geführt wurden, war ich erst eine Woche zuvor zurückgekehrt. Durch Bangkoks Verkehrschaos hatte ich mich schon vor vielen Jahren mit dem eigenen Auto gewühlt, im australischen Outback wollte eine Riesenechse mein hart gekochtes Ei vom Picknicktisch stehlen. Man könnte sagen, ich bin herumgekommen. Für eine Reisejournalistin mit dem Hobby Reisen nicht weiter erstaunlich. Wie lautet wohl mein Sehnsuchtsziel? Tahiti? Antarktis? Irrtum. Es war eine Werbung für Korsika, die mich bei einem Besuch der Wiener Ferienmesse im Januar daran erinnerte, dass das Gute oft ganz nah liegt. Auf dem Plakat war eine kleine Bucht zu sehen, türkisfarbenes Wasser brandete sanft an den weißen, von Felsen gesäumten Strand. Eine Pinie oder ein Olivenbaum, ich erinnere mich nicht genau, spendierte der Farbpalette frisches Grün, und am Horizont machte man, von Dunst und der Entfernung weich gezeichnet, eine Gebirgskette aus. Werbung eben. Jetzt, Anfang Oktober, stehe ich auf einem Felsen über einer kleinen Bucht. Die Zweige, durch die türkisblaues Wasser schimmert, sind definitiv einem Olivenbaum entwachsen. Fantastische Wolkenformationen verhüllen die Gipfel der Berge und die milde frühherbstliche Sonne legt sich ins Zeug wie der Beleuchter einer wirklich großen Inszenierung. Das Gute liegt nicht nur nah, sondern hält auch noch, was es verspricht. Ich genieße die Stille und das Alleinsein. Ich bin hier am Cap Corse, auf dem Küstenwanderweg Chemin Du Litteral, ohne Begleitung unterwegs. Dabei könnte ich als Gast des Feriendorfs Störrischer Esel ebenso gut am Aktivprogramm teilnehmen, mit anderen netten Menschen gemeinsam wandern, klettern oder mountainbiken. Obwohl ich das Angebot nicht wahrnehme, schätze ich die Möglichkeit dazu: Freiwillig allein sein ist doch viel schöner als zwangsweise! Und wer weiß, vielleicht steht mir morgen ja der Sinn nach Gesellschaft. Nach fünf traumhaften Stunden felsauf, felsab am Meer entlang – nur einmal muss ich meine Jeans ausziehen und durch eine Flussmündung waten – stehe ich wieder vor meine min Saint-Florent geparkten Leihwagen und kurve, im wahrsten Sinne des Wortes, über die Berge zurück Richtung Calvi. Die untergehende Sonne gibt wie jeden Abend die Diva. Allerdings zeigt mir das Abendrot auch sehr deutlich, dass es höchste Zeit ist zur Heimkehr in den Störrischen Esel: Das Essen wartet! Ich muss mich ein wenig ranhalten mit dem  Duschen und Umziehen, denn bis 20 Uhr sollten die Gäste nach Möglichkeit gegessen haben. Aber das bisschen Beeilen ist längst vergessen, sobald ich das Restaurant betrete. Ich rieche Knoblauch, Kräuter, Oliven, Tomatensoße – Muscheln! Den ganzen Tag schon begleitet mich der Appetit auf Muscheln und ich kann es kaum glauben, dass mein Wunsch (vom Universum?) erhört und an den Koch weitergegeben wurde. Von meinem Muschelwunsch abgesehen: Würden die heute nicht appetitlich dampfend in einer Riesenpfanne auf mich warten, hätte etwas anderes Gutes mein Gusto geweckt, denn das Buffet hat noch nie enttäuscht. Als ich endlich mit dem Essen fertig bin, türmen sich Berge von schwarzglänzenden Muschelschalen auf meinem Teller. Herrlich! Obwohl es nach Sonnenuntergang doch schon ziemlich kühl werden kann, esse ich am liebsten al fresco auf der Terrasse. In Wien hat es jetzt grad mal 8 Grad, es nieselt. Ein langer Herbst und ein schier endloser Winter stehen vor der Tür. Umso mehr heißt es, die Gelegenheit und die relativ milden Temperaturen zu nutzen – und sich dabei, weil halt doch schon leicht fröstelnd, auf das Feuer zu freuen, das in der Bergerie im Kamin lodert. Dieser gemütliche Treffpunkt, halb Bar, halb Berghütte, verdient am Abend mit seinen Mauern aus Granitsteinen, den rustikalen Holztischen und der langen Theke das Prädikat Lieblingsplatzl. Hier lässt es sich nach einem Outdoor- oder Strandtag (ja, auch Baden geht noch Anfang Oktober!) wunderbar entspannen, träumen, auch mal Party machen oder mit interessanten Mitreisenden ins Gespräch kommen. Zum Beispiel mit Wolf, Wolfgang, Helmut und Severin aus dem oberösterreichischen Traunkirchen, die gemeinsam mit 18 weiteren Kollegen von der Traunkirchner Bergrettung eine Woche Korsikas Gipfel stürmen und das Feriendorf als ihren Stützpunkt auserkoren haben. Jeder von ihnen weiß eine, nein: viele Geschichten zu erzählen. Das Gespräch ist lebhaft, das Knistern der Holzscheite wird längst vom Lachen der Gäste übertönt, Barkeeper Lukas wirbelt hinter der Theke mit seinen Flaschen und Gläsern und dreht die Musik ein bisschen lauter. Allein sitzt nun wirklich niemand mehr herum, obwohl ich in den vergangenen Tagen einige „Solisten“ unter den Gästen beobachtet habe. Für alleinreisende Naturliebhaber, die vielleicht gar nicht unbedingt Singles sein mögen (vielleicht wandert der Partner nicht gern?) und schon gar nicht auf Partnersuche, ist ein Urlaub im Feriendorf wirklich eine prima Option. Und sich ins Flugzeug nach Korsika zu setzen, über Elba hinweg und auf das Feriendorf zuzuschweben und einfach eine Woche zu tun und zu lassen, was einen wirklich freut.

Andrea Schröder

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