Unterhaltsame Tage im störrischen Esel

Dezember 22, 2008 No Comments »

Ende September 2008 war ich das erste Mal auf Korsika.Da ich kein Wort französisch spreche,  war ich in diesem Urlaub von meiner sonstigen Reisegewohnheit abgekommen, nur den Flug zu buchen und mir täglich auf`s Neue irgendwo eine andere Unterkunft zu suchen.

Der störrische Esel war mir, als wanderfreudigem, 31 jährigen Single empfohlen worden – „da bist unter Gleichgesinnten / junge Leute überall / findest leicht Anschluss“.Umso mehr „erschrak“ ich bei der Ankunft, als ich feststellte, dass der Altersdurchschnitt kurz vor Saisonende gut bei 65 Jahren aufwärts lag, von Gleichaltrigen weit und breit keine Spur.

Nachdem sich die erste Panik gelegt hatte, dass ich jetzt wohl mich 2 Wochen mit keinem recht unterhalten könne / als Außenseiterin dastehen würde, trug ich mich für die folgende Woche täglich bei der schwierigsten Tour ein – in der Annahme, dass es zwar rüstige Rentner gibt, aber die sich doch so was wie den Melosee oder Cinto nicht mehr antun und ich hierbei bestimmt auf jüngere Touristen treffen würde.
Die fand ich dann auch, in der ersten Urlaubswoche, waren 3 Frauen in meinem Alter da, in der zweiten Woche noch ein paar junge Familien mit denen ich mich gut verstand.

Ansonsten belehrte mich – dem Neuling –  das Eselsdorf in meinen Vermutungen eines besseren:
Die ersten Tage war`s seltsam, morgens und abends von den –anfangs unbekannten – Leuten gegrüßt zu werden, am Ende gehörte das als Ritual dazu, man tauschte sich aus, was jeder so den Tag über gemacht hat, selbst wenn man schließlich nur das Gesicht der Person, aber keinen Namen kannte. Ich hab mich jeden Tag sehr gut unterhalten, es war lustig von manch einem „Rentner“ als vermeintliche Enkelin behandelt und damit des öfteren zu Kaffee + Kuchen eingeladen zu werden – herzlichen Dank an „Toni 2“. Wer allein sein wollte, konnte sich zurück ziehen, aber es schloss einem auch keiner aus, es herrschte keine Anonymität wie sonst in einem großen Hotel. Es war eher beruhigend, abends auf den kleinen Wirbelwind Luisa mit ihrer Familie zu treffen, mit ihnen am Tisch zu sitzen und zu wissen, wäre ich am Ende nicht aufgetaucht, hätten die doch geschaut, ob mir nicht was passiert ist.

Der Cinto viel wetterbedingt aus, bei allen anderen Touren, muss ich gestehen, dass es definitiv einige Teilnehmer gab, die mehr Kondition hatten wie ich, das Alter spielte dabei überhaupt keine Rolle, die langjährige Erfahrung der korsischen Bergwelt von ihnen machte das wieder wett.  Beeindruckt hat mich hierbei vor allem Egon – ein knapp  80 Jahre alter  Österreicher, der – egal wie kalt es war –  sämtliche Touren die 14 Tage in kurzen Hosen bewältigte, während andere am Capitellosee die Handschuhe hervor holten.  Zwei spezielle Begebenheiten werden mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben: Am Montag nach meiner Ankunft, traf ich abends am Eingang des Dorfes auf Margit aus Österreich und 3 Frauen aus Bayern, die nach Calvi zu einem korsischen Konzert wollten und mich spontan mit nahmen. Es hätte schließlich keinen besseren Einstieg zum Verständnis der Mentalität der Korsen und der teils rauen Landschaft Korsikas geben können, als diese fantastische Musik von  L ´Alba, in der Nachts nur von Kerzen beleuchteten Citadelle. Obwohl wir weder die Einleitung noch die Texte verstanden, zog uns die Melodie in ihren Bann und still schweigend gingen wir kurz nach Mitternacht am Strand entlang zurück ins Dorf. Die CD „Cilva“ der Gruppe ist Korsika – Fernweh pur. (www.l-alba.com)

Am Samstag ging die Tour nach Occi, wo ein Unbekannter seine Oboe hervor holte und in der Kirche spielte. Eigentlich wollte ich ihn nur fotografieren, als er zu spielen anfing schaltete ich kurz entschlossen in den Videomodus der Digitalkamera um. Die 3 Lieder von ihm ließen mich die Zeit auf der Insel nicht mehr los und ich spielte sie etliche Male wieder ab. Jeder, der das Glück hatte, das mit zu erleben, hatte das Gefühl, etwas ganz Besonderem bei zu wohnen und wie wir später erfuhren, war es wirklich Glück – der Korse spielt nur sehr selten dort.

Die 14 Tage im störrischen Esel sind viel zu schnell vorbei gegangen und ich hab mich sehr wohl gefühlt – wo sonst bekommt man ein Bungalow mit unverbauten Blick auf die Berge, kann abends  stundenlang Sternschnuppen beobachten, begleitet nur vom Rauschen der Wellen und nebenher genüsslich Kastanienkekse essen. Oder hat in Form des „schwarzen Haushundes“ einen exklusiven Guide auf den Hausberg, der mir und Birgit oft nur kopfschüttelnd den Weg zeigte, weil diese 2beiner wieder den Weg nicht fanden. Dafür bekam er natürlich auf dem Gipfel seinen Teil unseres Vespers ab.

Danke an Julia, Grete, Toni und Hansjörg, die mir als Guide`s  jeder auf seine ganz eigene Weise ihre Sicht der Insel vermittelten, super Touren veranstalteten, die sie wetterbedingt auch mal schnell flexibel abänderten.

Carolin(a)

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