Unvergesslich – Mein erster Urlaubstag in Korsika

Februar 27, 2009 No Comments »

Mein allererster Urlaub am Meer im Jahre 1988 wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Mit dem ersten mühsam als Ferialer erarbeiteten Geld, buchten mein Freund und ich eine Woche Zelt-Urlaub im Feriendorf „Störrischen Esel“. Und das Ganze ohne elterliche Begleitung. Je näher der Abreisetag kam, desto größer wurde unsere Vorfreude, aber auch die Besorgnis unserer Eltern. Es kann sich sicher jeder vorstellen, wie wir dann fast schon professionell von unseren Eltern auf den Urlaub vorbereitet wurden.

„Tu das und dies nicht“, „Achte immer auf deine Sachen“, „Lass nie die Spiegelreflexkamera deines Vaters aus den Augen“ und am besten war der Spruch: „Nimm dich in Acht vor den Insulanern“. Tja, es war damals eben auch die Zeit, als es die korsische Freiheitsbewegung mit ihren Aktionen geschafft hat, sich einen Namen bis zu meinen Eltern zu machen. Fast wöchentlich gab es Berichte von teilweise auch gewaltsamen Aktionen.

Waren wir froh, dann endlich im Bus Richtung Korsika zu sitzen. Der lang ersehnte Spaß konnte endlich beginnen. Es war zwar eine Nachtfahrt, aber an Schlaf war nicht zu denken. Die Aufregung war einfach zu groß. Am frühen Morgen legten wir von Genua mit der Fähre nach Calvi ab. Ich hatte immer noch kein Auge zugetan und folglich landeten wir ziemlich übermüdet im Feriendorf. Wir hatten ein 2 Mann-Zelt gebucht und freuten uns nun wahnsinnig auf den Beginn des großen Abenteuerurlaubes. Das Zelt war zwar klein, für uns aber genau richtig. Nachdem wir unsere sieben Sachen verstaut hatten und uns für den Strand gerichtet haben, wurde mir bald klar, dass ich mein Geld und die heilige Spiegelreflexkamera vom Vater irgendwo sicher vor den Insulanern verstauen musste. Der Haussafe offenbarte sich aber eher als flaches Postfach. Da die Kamera nicht mal ohne Objektiv hinein gepasst hat, musste sie nun wohl ständig mit an den Strand. Gewappnet mit Espandrillos und zusammengerollter Strohstrandmatte ging es dann mit den ganzen Wertsachen in Richtung Strand. Bald fand sich auch ein gutes Plätzchen und die Wertsachen wurden unter der Strandmatte und dem T-Shirt verstaut. Natürlich passierte das Ganze sehr unauffällig, denn man soll sich ja vor den Insulanern in Acht nehmen. Nach dem ganzen Versteckspielstress kam mir eine Abkühlung im Meer genau richtig. Am Meer war ich bis dahin noch nie und folglich war ich davon sehr begeistert. Das änderte sich schlagartig, nachdem ich unfreiwillig einen ersten tiefen Schluck eingenommen hatte. Nach dieser salzigen Erfahrung wollte ich erstmal nur noch die Sonne genießen, etwas Schlaf nachholen und die elternlose Freiheit genießen.

„Wieso müssen Eltern eigentlich immer Recht haben?“ – Genau diese Frage habe ich mir gestellt, als ich das Meer verlassen habe und mich in Richtung meines Liegeplatzes begab. Da stand doch glatt ein braun gebrannter Insulaner und rollte gemütlich und ohne Skrupel meine Strohmatte zusammen. Aber mit mir hatte dieser freche Kerl sicher nicht gerechnet. Schnurstracks bin ich auf ihn los und habe ihm die Matte aus den Händen gerissen. Sein verdutztes Gesicht werde ich nie vergessen. Es dauerte aber nicht lange und er hatte sich die Matte neben einigen zahllosen französischen Schimpfworten wieder zurück erobert. Es begann ein ziemlich lautstarkes Hin- und Herziehen der Matte. Solange, bis wir plötzlich von meinem Freund mit „meiner“ Matte in der Hand unterbrochen wurden. Am liebsten hätte ich mich im Sand vergraben. Natürlich waren alle Augen am Strand auf mich gerichtet. Nachdem ich mich vor allen laut entschuldigt habe, stellte sich heraus, dass meine Matte durch den Wind ca. 2 Meter weiter weg verfrachtet worden war. Die Wertsachen, samt Kamera, befanden sich natürlich auch immer noch an der gleichen Stelle. Danach wollte ich nur noch zurück ins Feriendorf, eine Dusche, ein Abendessen und eine ruhige Nacht. Irgendwie fühlte ich mich an diesem ersten Abend gar nicht wohl in Korsika. Es lag aber eindeutig nur an mir und das nervte mich doch sehr. In den kommenden Tagen begann ich aber zu verstehen, warum alle von dieser Insel so schwärmen. Calvi, mit seinen alten Gassen, die Festung am Hafeneingang, der tolle Blick über den Strand hinweg, die einsamen Buchten, die luftigen Fahrten mit dem feurigen Elias und die tolle Stimmung im Feriendorf haben mir einen unvergesslichen Urlaub beschert.

PS.: Die Kamera wurde auch wieder heil meinem Vater übergeben. Ich wurde sogar mit großartigen Bildern belohnt, die mich vor ein paar Tagen nun wieder an diesen Urlaub erinnert haben. Vor lauter Schwärmen, habe ich nun auch meine Frau mit korsischem Fieber angesteckt. Es ist nun fix. Urlaub 2009 findet im Störrischen Esel statt. Man begegnet sich meist zweimal…auch wenn es manchmal 20 Jahre dauert. Ich freu mich jetzt schon drauf!

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