Vive la Corse

Mai 4, 2009 No Comments »

Das waren noch Zeiten als die Corsica Ferries in Calvi anlegten. Die Zitadelle sahen wir schon von weitem und die Spannung wuchs. Wer von der Küchenmannschaft, wer von der Wäscherei, wer von der Gärtnerei – überhaupt wer von der ganzen Equipe des störrischen Esels steht am Quai und begrüsst die Ankommenden mit „Leintücherschwingen“ und mit grossem Hallo? Es war nicht so, dass alle Ankommenden sofort in die Mariani-Busse gestiegen sind, um ins Feriendorf zu gelangen. Die Ankommenden haben die Abreisenden verabschiedet, viele Gesichter waren einem bekannt. Freudentränen des Wiedersehens, Tränen des Abschieds waren ganz normal. Immer wieder haben sich die Abreisenden auf der Schiffstreppe umgedreht und gewunken bis sie im Schiffsrumpf verschwunden waren. Die Zurückbleibenden haben gesungen, Vivez la Corse bis wir heiser waren. Gitarrenklänge, auch einmal „Kochtopfklänge“ haben den Gesang musikalisch unterstützt und Pausen überbrückt. Waren alle Passagiere an Bord war es einen Moment ruhig, wehmütig ruhig, bis de Gesichter sich wieder an der Reling zeigten. Jetzt ging das grosse Abschiedswinken und Rufen los. Beim Hinausfahren der Fähre aus dem Hafen ist es auch das eine oder andere Mal vorgekommen, dass einer der Crew dem Schiff ein Stück weit nachgeschwommen ist – heute unvorstellbar! Wir Zurückbleibenden standen im Hafen und winkten mit grossen und kleinen Tüchern solange bis von der Fähre wirklich nur noch ein kleiner Punkt zu sehen war. Dann marschierte ein Teil dem Strand entlang zurück, irgendwie in wehmütiger wegen der abgereisten aber auch wieder in erwartungsvoller Stimmung ob der neuen Gäste. Der andere Teil nahm die Busfahrt Richtung Feriendorf in Anspruch.
Gerhard und Company waren in den sechziger Jahren die Stimmungsmacher. Mit Gesang und Gitarre traf der Grossteil der Gäste abends zusammen, setzte sich irgendwo unter die Pinien und begann die warmen Nächte Korsikas zu geniessen. Überkam einen nach ausgiebigem Gesang der Hunger, die damalige Frühstücksküche (heute: Aufenthaltsraum beim Kiosk) lud ein zum Spiegeleierkochen. Eine Idee zu haben war das eine, die Ausführung folgte prompt. Ebenso mitternächtliche Schwimmeinlagen im Pool trugen zur Belustigung aller bei. Irgendwie war alles überschaubarer und nicht so strengen Reglements unterworfen, nur so war es möglich die eine oder andere „Kalberei“ nächtens zu machen.

Angelika Gehler-Agerer

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