Korsische (Abenteuer) Maturareise – ein Bericht aus dem Rundbrief 2014

Januar 13, 2015 No Comments »

Stefan_ZimmermannAnstatt eine Woche in einer Hotelanlage zu verbringen wie die meisten Maturanten, beschloss ich alternativ eine abwechslungsreichere Reise anzutreten. Auf dem Plan steht eine viertägige Trekkingtour auf dem GR20, dem bekannten Weitwanderweg Korsikas. Es war mein erstes Mal auf Korsika und ich hatte eigentlich keinen blassen Schimmer von der Insel. In Begleitung von vier sportlichen Damen landete ich in Calvi und wir genossen, bevor es losging, unseren letzten Festschmaus im Feriendorf mit anschließender Nachttour durch Calvi.

Früh am Morgen fuhren wir zu unserem Ausgangspunkt Castel de Vergio. Von jetzt an hieß es Isolation von der Zivilisation. Anfangs liefen wir durch ein schönes Waldstück, anschließend kam ein Anstieg, bis wir einen Gipfel erreichten. Von dort konnten wir den idyllischen Ninosee im Tal betrachten. Hinab ins Tal und entlang mediterraner Landschaft kamen uns Eselskarawanen und gleichgesinnte Trekker entgegen, bis wir an unserem ersten Etappenziel, der Refuge Manganu, an kamen. Nachts streunten noch hungrige Wildschweine auf dem Campingplatz umher und da schnappte tatsächlich gleich zweimal in der Nacht ein Wildschwein meinen Fuß, den es wohl für einen Leckerbissen hielt. Es blieb aber bei 2 Schreckmomenten ohne jegliche Verletzung.

Am zweiten Tag stand uns sofort ein 400 Höhen meter-Anstieg auf den Brèche de Capitello bevor. Oben angekommen hat man einen herrlichen Panoramablick auf den Melound Capitellosee und die umliegenden Bergmassive. Unerfreulicherweise erschwerten uns die hastig auftauchenden Nebelschwaden unsere Tour durch die Felslandschaft und der stark wehende Wind wurde zu einem treuen Begleiter. So irrten wir in der Nebelwand von einem Steinmännchen zum nächsten bis wir abends die Refuge Petra Piana erreichten. Als wir die Zelte aufschlugen, musste ich feststellen, dass ich zu sparsam mit meinem Einpersonenzelt war und es den strömenden Regen nicht halten konnte. Glücklicherweise bekam ich Unterschlupf im Zelt eines anderen Wanderers. Nach einer stürmischen Nacht begann der nächste Morgen um einiges angenehmer, das Wetter besserte sich erheblich und die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite.

Aufgrund des Unwetters riet man uns aber davon ab, den Monte Rotondo zu erklimmen, sodass wir sogleich in das Manganello-Tal hinabstiegen. Wir marschierten durch einen wunderschönen Nadelbaumwald, entlang eines kristallklaren Gebirgsbachs und vorbei an malerischen Gumpen. Angekommen an der Refuge L’Onda campierten wir innerhalb eines Pferdezaunes zum Schutz vor den Wildschweinen. Der vierte Tag und somit die letzte Etappe auf unserem Plan stand bevor. Die Sicht war noch sehr schlecht und der Wind peitschte uns aufs Neue ins Gesicht. Jetzt stand noch unser letzter Aufstieg bevor.

Nach 633 anstrengenden Höhenmetern waren wir oben und der Wanderführer versprach uns ein grandioses Panorama bei guter Sicht, aber der Wettergott war dagegen. So stiegen wir das Felsgeröll herab nach Vizzavona und ließen die Nebeldecke hinter uns. Nach einem angenehmen Abstieg durch einen Buchenwald, vorbei an schönen Badegumpen, erreichten wir das kleine Bergdorf. Wir waren an unserem Ziel.

Viele neue Eindrücke, nette Leute, mediterrane und alpine Landschaften, Schweiß und Erfahrungen liegen hinter unserem kleinen Abenteuer. In den letzten 2 Tagen genossen wir noch das Ambiente und Essen im Feriendorf, gingen baden und erholten unsere Füße. Abschließend kann ich nur sagen, dass man die alltäglichen Dinge erst richtig zu schätzen weiß, wenn man ohne sie auskommen muss.

Stefan Zimmermann

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