Nächtlicher Wecker im Feriendorf – ein Reisebericht

November 25, 2014 No Comments »

Charlotte_ZollerSchlaftrunken und mit kleinen Augenschlitzen kommt Elsbeth morgens ans Frühstücksbuffet. „Hast du gestern Abend zu lang in der Bergerie gesessen?“, war meine neugierige Frage. „Nein, das nicht, aber heute Nacht hat jemand Musik gemacht, ca. alle drei Sekunden ein schriller Ton – habt ihr das nicht gehört?“ Da meldet sich eine zweite Stimme: „Ich bin davon auch wach geworden, es kam aus Richtung Konzertbaum. Und schon bildet sich ein Grüppchen Betroffener, das nach dem Klang des nächtlichen Weckers rätselt. Nachahmungen treffen den Ton nicht annähernd. Ich mische mich ein und vermute, dass es ein nachtaktiver Vogel sein könnte, der vielleicht sein Weibchen zurückpfeift oder einen Rivalen beschimpft. Dieses beschriebene Geräusch kenne ich aus meinen vorigen Korsika-Ferien. Die Vogel-Story macht die Runde und an diesem Abend spitzen all jene bei offenem Fenster die Ohren, um den Sound zu orten und näher zu definieren. „Eine Eule schwirrte heute Nacht direkt vor meinem Bungalow auf einen Ast, ich habe sie fotografiert!“ Es war wieder Elsbeth, auf der Jagd nach dem Nachtvogel. Nun scheint meine Vermutung also glaubwürdig zu sein. Anderntags frage ich Patron Kurt Müller, ob es hier rhythmisch grölende Eulen gebe und er bejahte das, obwohl er eigentlich noch nie eine aus der Nähe gesehen habe. Was tut man in einem solchen Fall? Man rennt in die Rezeption ans Internet und googelt. Heraus kommen eine ganze Reihe von Eulenarten, u. a. die Zwergohr- oder die Sumpfohreule. Und was steht da zu lesen?

„Die Gesangsaktivität beginnt kurz nach Sonnenuntergang und endet in der Morgendämmerung; nach Mitternacht geht die Rufaktivität für ein bis zwei Stunden deutlich zurück. Männchen und Weibchen rufen häufig im Duett, das Weibchen ruft dabei in einer etwas höheren Tonlage und etwas weniger regelmäßig als das Männchen. Ruf Folge: alle 3,5 Sekunden. Der erste Gesang ist durch einen halbvokalisierten Anlaut gekennzeichnet, beim zweiten fehlt dieser. Die zweite Ruf Folge ist für die Nominalform typischer. Im Hintergrund hört man in der Ferne einen zweiten Rufer.“ (Zitatende)

So, jetzt sind wir etwas gescheiter. Es könnte also ein Eulenpärchen im oder in der Nähe des Feriendorfs wohnen und kein Gast, kein Gerät oder Instrument wird als nächtlicher Ruhestörer mehr verdächtigt. Von nun an schlafen alle ruhig durch und freuen sich sogar über diese bis dato unbekannte und noch nie zu Gesicht bekommene Vogelart. Ich bin sicher, der eine oder andere Leser dieser Zeilen kann sich an diese nächtlichen Rufe erinnern – und weiß sie noch besser zu deuten. Oder?

Charlotte Zoller, Feriendorf-Gast

Related Posts

Leave a Reply