Nah am Puls der Natur Ferien machen – ein Zeitungsbericht der Südostschweiz von Fadrina Hofmann

Juli 29, 2013 No Comments »

Aktiv auf Korsika - Bild von Fadrina Hofmann
Korsika wird auch als die «Insel der Schönheit» bezeichnet. Nur eine Stunde Flugzeit von Zürich entfernt, liegt Calvi. Hier hat der Österreichische Alpenverein ein aussergewöhnliches Feriendorf aufgebaut.
Von Fadrina Hofmann

Calvi. – Der Duft nach Pinienbäumen umweht die Bungalows, Chalets und Wohnzelte  im  Feriendorf  «Zum störrischen  Esel»  im  Nordwesten Korsikas und erweckt auf Anhieb das Feriengefühl. Die weitläu?ge Anlage ist der Traum eines jeden Naturfreundes, denn hier scheint die gesamte mediterrane Flora auf einem kleinen Fleckchen Erde zu blühen: rosafarbener  Oleander,  anmutige Zypressen und zahlreiche Kräuter. Ein Baum sticht im Feriendorf bei Calvi ganz besonders hervor: der Baum der verlorenen Herzen. Diese herrliche Pinie in der Nähe der Bar «U Spelunca» ist einTreffpunkt für jeden, der sein Herz verlieren möchte – an einen Gleichgesinnten oder an die Insel Korsika …

Vor 54 Jahren hat sich auch eine Gruppe des Österreichischen Alpenvereins in die «Insel der Schönheit» verliebt. Die Kombination aus idyllischen Badebuchten, unberührter Natur und wilden Berggebieten hat die mittlerweile in Korsika bekannten «Alpinistes» begeistert. In den Anfangsjahren war «der störrische Esel» nur ein Zeltprovisorium am Strand von Calvi. Im Laufe der Jahrzehnte ist ein Feriendorf auf sieben Hektaren entstanden  mit  Restaurant  und Abendbar, mit Pool und Kiosk und sogar mit einemWLAN-Treff unter den uralten Pinien.

Gewollt einfach und gesellig

Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Busund Schifffahrt nach Calvi ist die Grundidee der Inselferien noch immer dieselbe. Sie fungiert heute als Leitbild des Feriendorfs: «Korsika-Ferien, das verbindet». Ganz nach Alpenverein-Manier wird hier Wert auf eine gewollte Einfachheit und auf das fröhliche Beisammensein gelegt. Tatsächlich fällt im «störrischen Esel» nach kurzer Zeit die familiäre Atmosphäre auf. Das liegt nicht nur daran, dass an diesem Ort viele Familien bereits in dritter Generation Urlaub machen, sondern auch an das treue und herzliche Personal. Wenn sich die Gäste am Morgen für Exkursionen oder Wanderungen an der Rezeption treffen, herrscht eine vertrauteAtmosphäre fern von jeglichem Animationsgeplänkel.

Kleine Festungen in den Bergen

Das Publikum ist «aktiv, sportlich angehaucht, grün», wie es der langjährige Direktor, Michael Ofenhitzer, umschreibt. Im Frühjar und im Herbst überwiegt die Altersgruppe 50+, im Juli und August vergnügen sich bis zu 100 Kinder auf dem Areal, das auch über einen Kindertreffpunkt sowie eine Betreuung in der Hochsaison verfügt. Kein Wunder, ist «der störrische Esel» eine idealeAnlage für Familien. Das mittelalterliche Hafenstädtchen Calvi ist in nur 15 Gehminuten über einen Holzsteg entlang des Strandes erreichbar. Viermal am Tag hält nur 300 Meter vom Feriendorf entfernt ein ratternder Zug, der die Sonnenanbeter zu verschiedenen traumhaften Buchten fährt. Man kann sich aber auch direkt vor der Haustüre und mit Blick auf die Zitadelle von Calvi in die Fluten stürzen.

Für Naturfreaks und Badenixen

Für kulturell Interessierte lohnt sich eine Stadtbesichtigung in Calvi. Hier soll der britische Admiral Nelson Ende des 18. Jahrhunderts einAuge verloren haben, hier hat die Familie von Napoleon Bonaparte während dreier Monate residiert, und ausserdem sind die Ortsansässigen davon überzeugt, dass Christoph Kolumbus, der Entdecker der NeuenWelt, in Calvi geboren wurde. Ein absolutes Muss ist  auch einAbstecher in die Dörfer der Balagne. Diese kleinen Festungen in den Bergen sind mit dem Bus oder perAuto in weniger als einer Stunde erreichbar. Im malerischen Dorf Pigna beispielsweise bieten Handwerker ihre Töpferwaren an, es gibt köstliche einheimische Produkte, wie Kastanienkuchen  oder  Wildschwein-Terrine, und gleichzeitig kann dieAussicht auf ein türkis schimmerndes Mittelmeer genossen werden. Wer die Natur liebt, dem emp?ehlt sich eine Wanderung ins wildromantische Fango-Tal. Im Hochsommer kann man sich in diesem abgelegenen Tal in den natürlichen Becken des klaren Flusses abkühlen oder sich einfach von den intensiven Gerüchen der Wildkräuter berauschen lassen.

Kurze Anreise mit Direktflug

Im  Feriendorf  «Zum  störrischen Esel» gibt es eine eigene Mountainbike-Station, denn Korsika ist mit seiner abwechslungsreichen Landschaft nicht nur für Motorradfahrer und Wanderer attraktiv, sondern auch für Mountainbiker.Vor Ort ist der von allen nur «Radl-Stefan» genannte Tourenleiter seit mehr als zehn Jahren für die Bike-Touren zuständig. Er fährt mit seinen Gästen auf bis zu 1100 Meter über Meer und saust dann mit ihnen den Berg hinunter, das Meer vor Augen und den frischen Bergwind im Gesicht. Abends  können  sich  die hungrigen Sportler dann am österreichisch angehauchten Buffet verköstigen, in der Bar «Bergerie» bei einem Myrthenschnaps erholen und das Beisammensein geniessen. Für Stubenhocker ist die Ferienanlage nichts. Fernsehgeräte gibt es auf dem gesamten Areal nur eins – und nur für den «Notfall», wie zum Beispiel ein besonders wichtiges Fussballspiel. «Wir haben nun mal unsere eigene Art, darum auch störrisch», erklärt Ofenhitzer. Und diese einfache, aber sympathische,  weil  unkomplizierte  Art scheint im Zeitalter der austauschbaren All-inclusive-Hotels beliebt zu sein. In den Monaten Juli und August sind bis zu 450 Gäste anwesend, was dank der grosszügigen Anlage nicht stört. Sobald man nämlich die Pforte des  Feriendorfs  «Zum  störrischen Esel» passiert, weht einem der Duft von Pinienbäumen entgegen – und schon fühlt sich alles nach Ferien an.

Der Baum der einsamen Herzen - Bild von Fadrina Hofmann

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