Parádissos für Sonnenanbeter – die Insel Thassos – ein Bericht aus der BNN

April 21, 2015 No Comments »
BEEINDRUCKT DURCH GRÖSSE: Das von dicken Mauern umgebene Kloster Archangélou ist die wichtigste Sehenswürdigkeit auf Thassos. In den hübschen Bergdörfern ist das Leben beschaulich. Viele thassitischen Häuser wurden mit viel Liebe zu Ferienhäusern umgebaut.

BEEINDRUCKT DURCH GRÖSSE: Das von dicken Mauern umgebene Kloster Archangélou ist die wichtigste Sehenswürdigkeit auf Thassos. In den hübschen Bergdörfern ist das Leben beschaulich. Viele thassitischen Häuser wurden mit viel Liebe zu Ferienhäusern umgebaut.

Kein Platz im Paradies: In der Lücke zwischen serbischem Mazda und rumänischem Fiat hat nicht einmal ein Smart Platz. Ein paar Meter weiter vertreibt das ausladende Wurzelwerk einer mächtigen Eiche jeden Gedanken ans Parken. Bleibt nur noch der staubige Seitenstreifen an der Ringstraße, wo sich der fahrbare Untersatz während des mehrstündigen Aufenthaltes in einen Glutofen verwandeln dürfte. Unten am Strand mit dem verheißungsvollen Namen Parádissos gibt es schon seit dem frühen Morgen kein freies Plätzchen mehr unter den karibisch anmutenden Bast-Sonnenschirmen. Familien mit Kind und Kegel bevölkern die sichelförmige Bucht, wo der Sand so fein ist wie Mehl und das Wasser in allen erdenklichen Blautönen schimmert. Hübsche Griechinnen mit riesigen Hüten und knappen Bikinis aalen sich in der Sonne; junge, glutäugige Adonisse präsentieren ihren sexy Sixpack beim Beach-Volleyball. Braun gebrannte Knirpse zaubern Ritterburgen in den Sand, „Rothäute“ suchen Abkühlung für die geschundene Haut im Spiel der Wellen. In der hübschen Taverne, wo so ziemlich alles aufgetischt wird, was sonnenhungrige Mitteleuropäer für griechischer Küche halten, ist schon am frühen Vormittag kein freier Tisch mehr zu finden. Fürwahr: Parádissos Beach, das Postkartenmotiv von der Ägäisinsel Thassos kommt dem Gefilde der Seligen schon ziemlich nahe. Auch wenn sich der Neuankömmling den Garten Eden auf Erden etwas weniger rummelig vorgestellt hat.

Noch vor einem halben Jahrhundert war die griechische Insel ein stiller, pittoresker Flecken in der Nordägäis, wo Fischer nachts Sardinen und Tintenfischen nachstellten und Hirten ihre Ziegen zwischen Wacholder, Myrte und Judasbäumen weiden ließen. Doch dann nahmen die Fähren den Betrieb zu dem wenige Kilometer vor dem Festland gelegenen kreisrunden Eiland auf, dessen immergrüne, steil abfallende Hänge ihm den poetischen Beinamen „die Smaragdgrüne“ einbrachten. Seitdem wurden die abgelegenen Bergdörfer und die Fischerorte, die so genannten Skalen, mit Lichtgeschwindigkeit in die Neuzeit katapultiert. Die Aussteiger von einst, die sich mit einem einfachen Bett und Toilette auf dem Flur zufriedengaben oder gleich die Isomatte an den einsamen Stränden ausrollten, sind längst verschwunden; heute spucken die Fähren aus Kavala oder Keramoti in den Sommermonaten fast stündlich Heerscharen sonnenhungriger Touristen aus. Seit die Finanzkrise ganz Hellas in ein abgrundtiefes Loch gestürzt hat, können sich viele Griechen zwar nur noch wenige Tage auf dem buchtenreichen Urlaubsparadies leisten, stattdessen quartieren sich neben reisefreudigen Deutschen und Engländern immer mehr Rumänen, Bulgaren und Serben in den geschätzten 20 000 Gästebetten ein. Selbst Türken, deren Heimat gleichsam um die Ecke liegt, finden an der Smaragdgrünen Gefallen.

Schon Thassos, der Bruder der bildschönen Europa, soll dem Zauber des verträumten Juwels hoffnungslos verfallen sein. Das hübsche Töchterlein des Phönizierkönigs Aginoras, der der alte Kontinent bekanntermaßen seinen Namen verdankt, war vom lüsternen Göttervater Zeus entführt worden. Papa Aginoras, „not amused“ über die schändliche Tat, schickte prompt seine beiden Söhne Kadmos und Thassos los, um die Verschollene zu suchen, natürlich ohne Erfolg. Wer legt sich schließlich mit dem Obersten des Olymp an, dessen große Schwäche für das schwache Geschlecht allseits bekannt ist? Kadmos gründete nach vielen Irrfahrten die Stadt Theben, sein Bruder verliebte sich in die bezaubernde, 380 Quadratkilometer große Insel, die seitdem seinen Namen trägt und dank ihrer Marmorbrüche, den Edelsteinvorkommen und Erzadern einst so reich war, dass es Chronisten als „Athen des Nordens“ rühmten. Die Thassioten konnten es sich sogar leisten, den Kriegshafen von Liménas mit Marmorplatten auszukleiden, die bei ruhiger See noch im grünblauen Wasser auszumachen sind.

In keinem Inselstädtchen sind Vergangenheit und Gegenwart so eng miteinander verwoben wie in der Inselhauptstadt, wo ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Auf Schritt und Tritt stößt der Interessierte auf Überbleibsel der gewaltigen Stadtmauer, auf antike Stadttore mit dem Konterfei von Zeus und Hera oder auf die Fundamente mächtiger Tempel, wo in längst vergangenen Zeiten dem Helden Herakles gehuldigt wurde, während ein paar Meter weiter Feinde und Verbrecher grausam hingerichtet wurden. Die Akropolis und das antike Theater, das schon der große Arzt Hippokrates rühmte, bekommen allerdings nur wenige Sonnenanbeter zu Gesicht, die in den Abendstunden die Kafenions und Tavernen am pittoresken Fischerhafen bevölkern und die Souvenirläden mit allerlei Plunder in der Fußgängerzone plündern. Zu beschwerlich scheint ihnen der Aufstieg zur antiken Oberstadt, zu strapaziös der schmale Pfad durch duftende Macchia. Dabei gibt es kaum ein schöneres Plätzchen mit Panoramablick auf Stadt und Meer als die Arena mit ihren dorischen Säulen und den steinernen Sitzstufen, deren aufwendige Restaurierung schon längst abgeschlossen sein sollte. Künftig soll das Amphitheater mit Platz für bis zu 4 000 Menschen für Aufführungen genutzt werden, doch wegen der Finanzkrise fehlt das Geld für das kostspielige Unterfangen. So rottet das antike Theater vor sich hin, was den verwunschenen Eindruck nicht schmälern kann.

Wer das wahre, das einfache Thassos erleben möchte, muss raus aus den lärmenden Touristenmekkas, hinauf in die malerischen Bergdörfer, die zum Schutz vor Piraten weit weg von der Küste gebaut wurden und wo die Gassen so eng sind, dass kaum ein Auto hindurchpasst. Eingebettet zwischen Kiefern, Kermeseichen, Platanen und Walnussbäumen kleben die Häuser von Kastro, Theológos oder Kazaviti so halsbrecherisch am Hang, dass nur noch die mit Schieferplatten gedeckten Dächer aus dem Grün herausragen. Viele der schönen Steinhäuser mit den charakteristischen Erkern und den Holzbalkonen liegen verlassen da, weil die Landflucht auch vor Thassos nicht halt gemacht hat. Doch dafür haben Mitteleuropäer die architektonischen Inselschmuckstücke entdeckt und sie liebevoll hergerichtet. Geschmackvoll eingerichtete Ferienwohnungen verstecken sich jetzt hinter wuchtigen Steinmauern, uralte Olivenbäume geizen nicht mit ihren Früchten. Wenn die Tagestouristen abgerauscht sind, ganze Spanferkel, Lämmer und Zicklein vom Spieß verputzt und die Regale mit den selbst gemachten Souvenirs wie eingelegte Früchte in Honig leer gefegt sind, kehrt fast schon gespenstische Stille in den verwunschenen Bergdörfern ein. Die wenigen Einheimischen und Zugezogenen treffen sich zum Ouzo in den bejahrten Kaffeehäusern oder speisen in Tavernen namens „O Platanos“, wo im Schatten riesiger Platanen köstliche Vorspeisenteller aufgetischt werden, die einen Hauptgang fast überflüssig machen. Herrenlose Katzen schnurren den Gästen um die Beine, der Wind säuselt ein Liebeslied, der Mond versteckt sich galant hinter einer Wolke. Schöner kann das Paradies auf Erden wahrlich nicht sein.

-Roswitha Bruder-Pasewald-

 

Aliki

Die schönsten Strände auf Thassos

Auf Thassos seinen Traumstrand zu finden, ist nicht besonders schwer. Im Gegenteil: Angesicht der malerischen Buchten, die sich aneinanderreihen, wird die Wahl zur Qual. Wer nicht gerade in der Hochsaison Juli/August kommt, findet diese Paradiese fast menschenleer vor. Hier einige besonders schöne Strände:
Golden Beach: Der längste und beliebteste Strand liegt im Nordosten der Insel, zu Füßen der ursprünglichen Bergdörfern Potomia und Panagia. Weil das Meer sehr flach abfällt, können selbst die Kleinsten unbekümmert planschen. Im Hintergrund baut sich der imposante, fast 1 200 Meter hohe Ypsarion auf, der für Windstille sorgt: ideale Bedingungen für die ersten Surfversuche.
Aliki: Die kleine Halbinsel im Südosten von Thassos hat gleich drei Strände: einen flach abfallenden Sandstrand in der westlichen Bucht, einen Kiesstrand in der nördlichen. Das Beste aber sind die wannenartigen alten Marmorbrüche an der Spitze der kleinen Halbinsel, die von der Brandung gespeist werden. Ein ähnliches Naturschwimmbecken findet sich in Gióla. Allerdings ist die 20 Meter lange Badewanne nur über einen längeren Fußmarsch zu erreichen.
Saliára: Klein, fein und wunderschön. Der weiße Marmorsand, die grünen Kiefern und das türkisblaue Meer zaubern eine geradezu karibische Atmosphäre. Allenfalls 100 Badegäste finden in dieser Traumbucht Platz, die nur über eine Piste zu erreichen ist. Wer den Mietwagen schonen möchte: Der Marmorstrand wird auch von Ausflugsbooten angesteuert.

 

Fähre_Thassos

Informationen

Anreise: Airberlin fliegt beispielsweise von Frankfurt nach Kavala. Hinund Rückflug kosten rund 250 Euro. Die Fähre von Kavala nach Skala Prinou geht in der Hochsaison fünf bis sechs Mal, wesentlich häufiger verkehrt die Fähre von Keramoti nach Limenás. Das einfache Ticket kostet pro Person drei Euro, Fahrzeuge kosten je nach Länge zwischen zehn und 16 Euro. Die Fähre ab Kavala ist etwas teurer.
www.airberlin.com,
www.anethferries.gr

Anbieter: Pauschalreiseanbieter wie Rhomberg Reisen haben die unterschiedlichsten Häuser im Programm, auch Studios mit Selbstverpflegung. Eine Woche mit Vollpension in einem Vier-Sterne-Hotel gibt es mit Flug ab 674 Euro. Studios für Selbstversorger gibt es ab 200 Euro pro Person und Woche.
Rhomberg Reisen, Eisengasse 12,
A-6850 Dornbirn/Vorarlberg, Telefon
+43 5572 22420,
www.rhomberg-reisen.com

Reisebericht aus der BNN mit Originalbildern.

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